 zugebracht haben, und freuen uns, dass ihr so lebhaften Anteil an unsern
Reden nehmt. Wenn man so in Gebirgen reist, spricht es sich mit doppelter
Annehmlichkeit, und die Zeit vergeht spielend. Vielleicht ergötzt es euch einige
artige Geschichten von Dichtern zu hören, die wir auf unsern Reisen erfuhren.
Von den Gesängen selbst, die wir gehört haben, können wir wenig sagen, da die
Freude und der Rausch des Augenblicks das Gedächtnis hindert viel zu behalten,
und die unaufhörlichen Handelsgeschäfte manches Andenken auch wieder verwischt
haben.
    In alten Zeiten muss die ganze Natur lebendiger und sinnvoller gewesen sein,
als heut zu Tage. Wirkungen, die jetzt kaum noch die Tiere zu bemerken
scheinen, und die Menschen eigentlich allein noch empfinden und genießen,
bewegten damals leblose Körper; und so war es möglich, dass kunstreiche Menschen
allein Dinge möglich machten und Erscheinungen hervorbrachten, die uns jetzt
völlig unglaublich und fabelhaft dünken. So sollen vor uralten Zeiten in den
Ländern des jetzigen Griechischen Kaisertums, wie uns Reisende berichtet, die
diese Sagen noch dort unter dem gemeinen Volke angetroffen haben, Dichter
gewesen sein, die durch den seltsamen Klang wunderbarer Werkzeuge das geheime
Leben der Wälder, die in den Stämmen verborgenen Geister aufgeweckt, in wüsten,
verödeten Gegenden den toten Pflanzensaamen erregt, und blühende Gärten
hervorgerufen, grausame Tiere gezähmt und verwilderte Menschen zu Ordnung und
Sitte gewöhnt, sanfte Neigungen und Künste des Friedens in ihnen rege gemacht,
reissende Flüsse in milde Gewässer verwandelt, und selbst die todtesten Steine in
regelmäßige tanzende Bewegungen hingerissen haben. Sie sollen zugleich Wahrsager
und Priester, Gesetzgeber und Ärzte gewesen sein, indem selbst die höheren Wesen
durch ihre zauberische Kunst herabgezogen worden sind, und sie in den
Geheimnissen der Zukunft unterrichtet, das Ebenmass und die natürliche
Einrichtung aller Dinge, auch die innern Tugenden und Heilkräfte der Zahlen,
Gewächse und aller Kreaturen, ihnen offenbart. Seitdem sollen, wie die Sage
lautet, erst die mannichfaltigen Töne und die sonderbaren Sympatien und
Ordnungen in die Natur gekommen sein, indem vorher alles wild, unordentlich und
feindselig gewesen ist. Seltsam ist nur hiebei, dass zwar diese schönen Spuren,
zum Andenken der Gegenwart jener wohltätigen Menschen, geblieben sind, aber
entweder ihre Kunst, oder jene zarte Gefühligkeit der Natur verloren gegangen
ist. In diesen Zeiten hat es sich unter andern einmal zugetragen, dass einer
jener sonderbaren Dichter oder mehr Tonkünstler - wiewohl die Musik und Poesie
wohl ziemlich eins sein mögen und vielleicht eben so zusammen gehören, wie Mund
und Ohr, da der erste nur ein bewegliches und antwortendes Ohr ist - dass also
dieser Tonkünstler übers Meer in ein fremdes Land reisen wollte. Er war reich an
schönen Kleinodien und köstlichen Dingen, die ihm aus Dankbarkeit verehrt worden
waren. Er fand ein
