, er lernt den Kaiser persönlich
kennen. Der Hof sollte eine sehr würdige Erscheinung machen, die Darstellung der
besten, größten und wunderbarsten Menschen aus der ganzen Welt versammelt, deren
Mittelpunkt der Kaiser selbst ist. Hier erscheint die größte Pracht, und die
wahre große Welt. Deutscher Charakter und Deutsche Geschichte werden deutlich
gemacht. Heinrich spricht mit dem Kaiser über Regierung, über Kaisertum, dunkle
Reden von Amerika und Ost-Indien. Die Gesinnungen eines Fürsten. Mystischer
Kaiser. Das Buch de tribus impostoribus.
    Nachdem nun Heinrich auf eine neue und größere Weise als im ersten Teile,
in der Erwartung, wiederum die Natur, Leben und Tod, Krieg, Morgenland,
Geschichte und Poesie erlebt und erfahren hat, kehrt er wie in eine alte Heimat
in sein Gemüt zurück. Aus dem Verständnis der Welt und seiner selbst entsteht
der Trieb zur Verklärung: die wunderbarste Mährchenwelt tritt nun ganz nahe,
weil das Herz ihrem Verständnis völlig geöffnet ist.
    In der Manessischen Sammlung der Minnesinger finden wir einen ziemlich
unverständlichen Wettgesang des Heinrich von Ofterdingen und Klingsohr mit
andern Dichtern: statt dieses Kampfspieles wollte der Verfasser einen andern
seltsamen poetischen Streit darstellen, den Kampf des guten und bösen Prinzips
in Gesängen der Religion und Irreligion, die unsichtbare Welt der sichtbaren
entgegen gestellt. »In bacchischer Trunkenheit wetten die Dichter aus
Enthusiasmus um den Tod.« Wissenschaften werden poetisirt, auch die Mathematik
streitet mit. Indianische Pflanzen werden besungen: Indische Mythologie in neuer
Verklärung.
    Dieses ist der letzte Akt Heinrichs auf Erden, der Übergang zu seiner eignen
Verklärung. Dieses ist die Auflösung des ganzen Werks, die Erfüllung des
Mährchens, welches den ersten Teil beschliesst. Auf die übernatürlichste und
zugleich natürlichste Weise wird alles erklärt und vollendet, die Scheidewand
zwischen Fabel und Wahrheit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist
eingefallen: Glauben, Fantasie, Poesie schließen die innerste Welt auf.
    Heinrich kommt in Sophieens Land, in eine Natur, wie sie sein könnte, in
eine allegorische, nachdem er mit Klingsohr über einige sonderbare Zeichen und
Ahndungen gesprochen hat. Diese erwachen hauptsächlich bei einem alten Liede,
welches er zufällig singen hört, in welchem ein tiefes Wasser an einer
verborgenen Stelle beschrieben wird. Durch diesen Gesang erwachen
längstvergessene Erinnerungen, er geht nach dem Wasser und findet einen kleinen
goldenen Schlüssel, welchen ihm vor Zeiten ein Rabe geraubt hatte, und den er
niemals hatte wiederfinden können. Diesen Schlüssel hatte ihm bald nach
Mathildens Tode ein alter Mann gegeben, mit dem Bedeuten, er solle ihn zum
Kaiser bringen, der würde ihm sagen, was damit zu tun sei. Heinrich geht zum
Kaiser, welcher hocherfreut ist, und ihm eine alte Urkunde gibt, in welcher
geschrieben steht, dass der Kaiser sie einem Manne zum lesen geben sollte
