 großer Freund des Gartenlebens und die glücklichsten Stunden seines
Lebens bringt er unter den Blumen zu. Dies hat auch gewiss seinen Sinn für die
Kinder so offen erhalten, da Blumen die Ebenbilder der Kinder sind. Den vollen
Reichtum des unendlichen Lebens, die gewaltigen Mächte der späteren Zeit, die
Herrlichkeit des Weltendes und die goldne Zukunft aller Dinge sehen wir hier noch
innig in einander geschlungen, aber doch auf das deutlichste und klarste in
zarter Verjüngung. Schon treibt die allmächtige Liebe, aber sie zündet noch
nicht. Es ist keine verzehrende Flamme; es ist ein zerrinnender Duft und so
innig die Vereinigung der zärtlichen Seelen auch ist, so ist sie doch von keiner
Heftigen Bewegung und [k]einer fressenden Wut begleitet, wie bei den Tieren.
So ist die Kindheit in der Tiefe zunächst an der Erde, da hingegen die Wolken
vielleicht die Erscheinungen der zweiten, höheren Kindheit, des wiedergefundnen
Paradieses sind, und darum so woltätig auf die Erstere heruntertauen.
    Es ist gewiss etwas sehr geheimnisvolles in den Wolken, sagte Sylvester und
eine gewisse Bewölkung hat oft einen ganz wunderbaren Einfluss auf uns. Sie ziehen
und wollen uns mit ihrem kühlen Schatten auf und davon nehmen und wenn ihre
Bildung lieblich und bunt, wie ein ausgehauchter Wunsch unsers Innern ist, so
ist auch ihre Klarheit, das herrliche Licht, was dann auf Erden herrscht, wie
die Vorbedeutung einer unbekannten, unsäglichen Herrlichkeit. Aber es gibt auch
düstere und ernste und entsezliche Umwölkungen, in denen alle Schreken der alten
Nacht zu drohen scheinen. Nie scheint sich der Himmel wieder aufheitern zu
wollen, das heitre Blau ist vertilgt und ein fahles Kupferrot auf schwarzgrauen
Grunde weckt Grauen und Angst in jeder Brust. Wenn dann die verderblichen
Strahlen herunterzucken und mit höhnischen Gelächter die schmetternden
Donnerschläge hinterdrein fallen, so werden wir bis ins Innerste beängstigt, und
wenn in uns dann nicht das erhabene Gefühl unsrer sittlichen Obermacht entsteht,
so glauben wir den Schrecknissen der Hölle, der Gewalt böser Geister überliefert
zu sein.
    Es sind Nachhalle der alten unmenschlichen Natur, aber auch weckende Stimmen
der höheren Natur, des himmlischen Gewissens in uns. Das Sterbliche dröhnt in
seinen Grundvesten, aber das Unsterbliche fängt heller zu leuchten an und
erkennt sich selbst.
    Wann wird es doch, sagte Heinrich, gar keiner Schrecken, keiner Schmerzen,
keiner Not und keines Übels mehr im Weltall bedürfen?
    Wenn es nur Eine Kraft gibt - die Kraft des Gewissens - Wenn die Natur
züchtig und sittlich geworden ist. Es gibt nur Eine Ursache des Übels - die
allgemeine Schwäche, und diese Schwäche ist nichts, als geringe sittliche
Empfänglichkeit, und Mangel an Reitz der Freiheit.
    Macht mir doch die Natur des Gewissens begreiflich.
    Wenn ich das könnte, so wär ich Gott, denn indem man das
