
Schwaben. Die Kaufleute stimmten mit ein, und bekräftigten die mütterlichen
Erzählungen, rühmten die Gastfreiheit des alten Schwaning, und konnten nicht
aufhören, die schönen Landsmänninnen ihrer Reisegefährtin zu preisen. Ihr tut
wohl, sagten sie, dass ihr euren Sohn dorthin führt. Die Sitten eures Vaterlandes
sind milder und gefälliger. Die Menschen wissen das Nützliche zu befördern, ohne
das Angenehme zu verachten. Jedermann sucht seine Bedürfnisse auf eine gesellige
und reitzende Art zu befriedigen. Der Kaufmann befindet sich wohl dabei, und
wird geehrt. Die Künste und Handwerke vermehren und veredeln sich, den Fleissigen
dünkt die Arbeit leichter, weil sie ihm zu mannichfachen Annehmlichkeiten
verhilft, und er, indem er eine einförmige Mühe übernimmt, sicher ist, die
bunten Früchte mannichfacher und belohnender Beschäftigungen dafür
mitzugeniessen. Geld, Tätigkeit und Waren erzeugen sich gegenseitig, und treiben
sich in raschen Kreisen, und das Land und die Städte blühen auf. Je eifriger der
Erwerbfleiss die Tage benutzt, desto ausschliesslicher ist der Abend, den
reitzenden Vergnügungen der schönen Künste und des geselligen Umgangs gewidmet.
Das Gemüt sehnt sich nach Erholung und Abwechselung, und wo sollte es diese auf
eine anständigere und reitzendere Art finden, als in der Beschäftigung mit den
freien Spielen und Erzeugnissen seiner edelsten Kraft, des bildenden Tiefsinns.
Nirgends hört man so anmutige Sänger, findet so herrliche Mahler, und nirgends
sieht man auf den Tanzsälen leichtere Bewegungen und lieblichere Gestalten. Die
Nachbarschaft von Wälschland zeigt sich in dem ungezwungenen Betragen und den
einnehmenden Gesprächen. Euer Geschlecht darf die Gesellschaften schmücken, und
ohne Furcht vor Nachrede mit holdseligem Bezeigen einen lebhaften Wetteifer,
seine Aufmerksamkeit zu fesseln, erregen. Die raue Ernsthaftigkeit und die
wilde Ausgelassenheit der Männer macht einer milden Lebendigkeit und sanfter
bescheidner Freude Platz, und die Liebe wird in tausendfachen Gestalten der
leitende Geist der glücklichen Gesellschaften. Weit entfernt, dass
Ausschweifungen und unziemende Grundsätze dadurch sollten herbeigelockt werden,
scheint es, als flöhen die bösen Geister die Nähe der Anmut, und gewiss sind in
ganz Deutschland keine unbescholtenere Mädchen und keine treuere Frauen, als in
Schwaben.
    Ja junger Freund, in der klaren warmen Luft des südlichen Deutschlands
werdet ihr eure ernste Schüchternheit wohl ablegen; die frölichen Mädchen werden
euch wohl geschmeidig und gesprächig machen. Schon euer Name, als Fremder, und
eure nahe Verwandtschaft mit dem alten Schwaning, der die Freude jeder frölichen
Gesellschaft ist, werden die reitzenden Augen der Mädchen auf sich ziehen; und
wenn ihr eurem Großvater folgt, so werdet ihr gewiss unsrer Vaterstadt eine
ähnliche Zierde in einer holdseligen Frau mitbringen, wie euer Vater. Mit
freundlichem Erröten dankte Heinrichs Mutter für das schöne Lob ihres
Vaterlandes, und die gute Meinung von ihren Landsmänninnen, und der
gedankenvolle Heinrich hatte nicht umhin gekonnt, aufmerksam und mit
