 und sprachlos vor ihr stehen. Ich musste ihn
an seinen Hut erinnern. - Ach es wird mir zu viel, ich unterliege.
                           Fünf und vierzigster Brief
                              Reinhold an Olivier
Heldenseele erwache! Auf mein Olivier! es gilt! Zum Kampfe gegen das tückische,
grausame Schicksal! Sieh! es will Dich unterjochen! - Meinen Olivier
unterjochen! - O der Schande! Nein, nein! Noch kann er die entehrende
Leidenschaft überwinden. Triumphiret nicht! plötzlich wird er erwachen, und sich
bewusst werden was er ist, Trieb nach einer unendlichen Tätigkeit hat ihn in
dieses Labyrinth geführt; aber eine höhere Liebe als die, welche er darin
suchte, wird ihn aus der Finsternis leiten.
    Nein, er soll nicht Verzicht tun auf Glückseligkeit. Im höheren Maße, als
er es jemals geahnt hat, wird sie ihm zu Teil werden. Nur Mut! nur einige
Schritte! wie viel Anstrengung sie auch kosten! Sie führen zum Lichte, zum
höheren, genussvolleren Leben.
    Mein Olivier, ich umarme Dich, und bitte Deinen Schutzgeist Dich nicht zu
verlassen.
 
                          Sechs und vierzigster Brief
                              Olivier an Reinhold
Guter Mensch! was rufst Du mir zu? Es ist vergebens. Olivier ist an keine
Aufopferung gewöhnt. Mag es das Schicksal verantworten. -
    Ich bedurfte Ruhm; mein Kopf und mein Arm mussten ihn erwerben. Mein Körper
foderte sinnlichen Genuss; für und ohne Geld hatte ich mehr als ich brauchte.
Mein Geist dürstete nach Wahrheit; und ich war glücklich genug, das was ich
gefunden hatte, dafür zu halten.
    Jetzt war mein Lebensplan fertig. Ich wollte genießen; und es fehlte mir
nicht an den Mitteln. Wer hätte mich nicht glücklich gepriesen? - Aber mein Herz
war vergessen, und rächte sich schrecklich an mir.
    Was bleibt nun übrig? - Aufgeben? Verzicht tun? - Da steht die
Unmöglichkeit! überwinde sie wenn Du kannst. - Ja, wäre die Rede nur von
sinnlichem Wohlgefallen; ich würde den Gegenstand wechseln, mich betäuben, und
vergessen. Aber Sie! - O Gott! -
    Wie konnte ich diese Vortreflichkeit ahnen, in der grässlichen ewig
verschlingenden Natur? In ihr, die ihre Kinder nur zum Tode gebiert, und was sie
schaffen, mörderisch im ewigen Kreislaufe zerstört. Konnte ich glauben, sie
wollte etwas anderes; als vorüberfliegenden sinnlichen Genuss für ihre Geschöpfe?
- Sah ich nicht die Unglücklichen nur darum sich zerfleischen? Fand ich nicht
Dummheit oder Heuchelei, wenn sie vorgaben für etwas Edleres zu kämpfen? Hatte
ich selbst jemals für etwas Erhabeners gestritten? Oft wollten die Andern mich
es glauben machen und würden mich vielleicht zu diesem Glauben bekehrt haben,
wäre er zu meiner Ruhe notwendig gewesen. Aber bei meinem System konnte ich gar
wohl seiner
