 aufgebracht wegen des unüberlegten Streichs, besonders weil er es uns
eigentlich untersagt hatte, irgend etwas für Felicita (so heißt sie) zu
unternehmen. Doch ließ er mir durch Manfredi wissen, er würde jemand den Auftrag
geben, auf mein Betragen in Venedig achtzugeben, und weiter Sorge für mein
Fortkommen tragen, wenn der Bericht über mich gut ausfiele. Noch habe er nichts
Näheres über meine Geburt und meine Eltern erfahren können, er würde aber keine
Mühe sparen und mir, sobald er etwas Sicheres wisse, Nachricht darüber erteilen.
Unterdessen sollte ich der würdigsten Eltern mich würdig machen.
    Ich hatte eine große Freude über den Brief meines Manfredi, denn außer
diesen Nachrichten fand ich die schönsten Beweise von der Fortdauer seiner Liebe
und einige freundliche Vorschläge, uns wiederzusehen. Auch der väterliche Ton
des Marchese freute und beruhigte mich; doch war es, als ob irgendein Geist mich
abhielt, mich, wie ich gekonnt hätte, ganz seiner Sorge zu überlassen, und
seinem gutgemeinten Rat zu folgen. Es widerstrebte etwas in mir der
Notwendigkeit, einen regelmäßigen Stand und ein Amt zu bekleiden, es war mir
nicht bestimmt, auch fühlte ich selbst mich nicht dazu gestimmt. Zwar nahm ich
mir vor, Manfredi aufzusuchen, um bei demselben Regimente, wobei er stand,
womöglich Dienste zu nehmen, und ich schrieb es ihm, aber die Ausführung dieses
vernünftigen Plans schob ich immer weiter hinaus. Bald wollte ich dies nur noch
abwarten, bald jenes ausführen; kurz es ward nichts daraus.
    Unter vielen Reisenden und Fremden, die ich kennenlernte, waren ein paar
Engländer, die sich sehr an mich hingen: reiche Lords, die ihr Geld um sich her
warfen, um ihre Langeweile loszuwerden, und das, was sie für ihr Geld
eintauschten, machte ihnen nur noch größere. Ihr sonderbares humoristisches
Wesen zog mich an, ihre Langeweile machte mir die größte Kurzweile. Was ihnen an
mir gefallen haben mochte, weiß Gott; sie waren beständig bei mir und sagten
oft, in ihrer rauen Mundart, ich wäre der einzige Italiener, der ihnen nicht
unleidlich wäre. Das war freilich sehr schmeichelhaft für mich, wenn ich nur
nicht Venedig mit seinen Herrlichkeiten und meines Lebens dort herzlich
überdrüssig geworden wäre! Ich sehnte mich fort. -
    Ich hatte meine Lords zu allen Kunstwerken, die Venedig enthält, geführt,
hatte viele Städte Italiens, wo es etwas Sehenswürdiges gab, mit ihnen
durchreist. Dies und der Umgang mit einigen jungen deutschen Malern, die ich in
der Zeit kennenlernte, brachten mich auf den Gedanken, die Kunst zu studieren
und dann nach Rom zu gehen, um seine Wunder der Kunst zu sehen und zu verstehen.
Diesen Gedanken ergriff ich nun aus ganzer Seele und schob das Soldatwerden
weit,
