 Aufmerksamkeiten recht wohlgefällig
und artig annahm? - Ich hielt sogar die Festigkeit, mit der sie sich losriss und
forteilte für ein Opfer, das sie ihrem eifersüchtigen brauseköpfigen Walter
brächte, und habe ihr im Herzen deswegen wohlgewollt. - Belohnt sie so meine
gute Meinung? böse Betty! Wenn sie Ihnen nicht abbittet, liebe Tante, und Ihnen
gesteht, dass sie ihre Freude daran hat, Unfug zu treiben, so werde ich sie bei
Herrn von Walter verklagen; er traut mir! -
    Von dem Fremden, von diesem Florentin sollte ich Ihnen also erzählen? Es ist
wahr, liebe Tante, dass er uns allen wert geworden ist. Er macht jetzt das Leben
und die Seele der Gesellschaft aus. Mit dem sonderbarsten, oft zurückstossenden
Wesen weiß er es doch jedem recht zu machen, und zieht jedes Herz an sich, ohne
sich viel darum zu bekümmern. Es hilft nichts, wenn man auch seinen ganzen Stolz
dagegen setzt, man wird auf irgendeine Weise doch sein eigen. Oft ist es recht
ärgerlich, dass man nicht widerstehen kann, da er selber nicht festzuhalten ist.
Einmal scheint es, als verbände er mit den Worten noch einen andern Sinn, als
den sie haben sollen; ein andermal macht er zu den schmeichelhaftesten Dingen,
die ihm gesagt werden, ein gleichgültiges Gesicht, als müsste es eben nicht
anders sein; dann freut ihn ganz wider Vermuten einmal ein absichtsloses Wort,
das von ungefähr gesprochen wird; da weiß er immer einen ganz eignen Sinn, ich
weiß nicht, ob hineinzulegen, oder herauszubringen. Uns ist dieses sonderbare
Spiel sehr erfreulich, da wir ihn näher kennen, und besser verstehen. Sie können
aber denken, wie er oft in Gesellschaft Anstoß damit gibt; doch versteht er sich
recht gut darauf, ein solches Ärgernis nicht zu groß werden zu lassen; er macht
bald alles wieder gut. Wir begreifen eigentlich nicht, wie es ihm möglich ist,
diese Fröhlichkeit und gute Laune immer um uns zu erhalten, da er selbst doch
nicht froh ist. Ich und Eduard, wir sind oft allein mit ihm, und da haben wir es
deutlich genug merken können, dass ihn irgendein Kummer drückt. Der Vater machte
ihm neulich den Vorwurf, er wäre zu wenig ernst, und nähme oft die Dinge zu
scherzhaft. Florentin ließ es über sich hingehn. Eduard meinte aber, und sagte
es mir allein: der Ernst in ihm wäre vielmehr zu ernst und zu tief, als dass er
ihn in der Gesellschaft anwenden könnte; und da er nie sich so gegen den Scherz
versündigte, dass er ihn ernstaft nähme, so käme es ihm zu, auch wohl einmal den
Ernst scherzhaft zu finden. Am besten findet sich Eduard in ihn,
