 dies
künstlich gefügte Gebäude, dessen Türme sich prahlend in die Wolken heben,
während sein Fuß im Treibsande wankt. Möchte es mir nur einst gelingen mir eine
niedre, feste Hütte zu erbauen, die Sturm und Wogen trotzt, und auch dem Rütteln
meiner eignen mutwilligen Hand widersteht!« - »Und wo«, fragte der Doktor
lächelnd, »suchen Sie Boden zu diesem Wunderhüttchen?« - »Gewiss nicht hier,
nicht von den wurmzernagten Splittern der feinen Welt gedenke ich es mir
zusammenzubetteln.« - »Ruhig lieber Florentin, wer gedenkt sie Ihnen
aufzudringen? Die feinere Ausbildung lässt sich mit jenem geheimnisvollen Berg
vergleichen, von dem die Dichter unter dem Namen Venusberg viel Wunderbares
erzählen. Berauscht von einer süsstönenden Harmonie, sagen sie, wird man
hineingezogen; wer am Eingange stehenbleibt, ahndet nichts als Schrecknisse in
der Verworrenheit, die sein Blick nicht zu durchdringen vermag; wer aber
unerschrocken vordringt, der findet ewige Freuden; und wer sich voll Ungeduld
wieder hinauszusehnen vermag, findet doch sonst nirgend Ruhe, und unaufhaltsam
zieht der Zauber ihn wieder zurück.« - »Nun mir scheint dieser Zauber doch in
nichts zu liegen, als im Hochmut sich so gern etwas gar Großes zu dünken. Dies
ist der Rausch, der ihre Sinne gefangenhält, dass sie in die schwindelnde Tiefe
wieder zurück müssen, und in der freien Welt sich nicht zu finden wissen, wo
jeder gleicher Rechte sich erfreut, und niemand sich über den andern erheben
darf.« - »Nun sehen Sie, so ist es doch nur anders maskierter Hochmut, der es
Ihnen so verleidet, unter den Emporstrebenden zu existieren.« - »O guter Gott,
es mag wohl sein, nichts ist ansteckender als das Böse! Doch soll es mir wohl
noch gelingen, die schlechten Gewohnheiten wieder abzustreifen.« - »Ich sehe, es
ist heute nichts mehr mit Ihnen anzufangen, Sie sind bitter.« - »Das noch nicht!
Wo ist der Tor, der auf ein sicheres, dauerndes Lebensglück rechnet? Aber lassen
Sie es mich Ihnen gestehen: Bettys Schicksal und das Ihrige, das ich so deutlich
vor mir sehe, das von Eduard und Juliane, was ich nur ahnde, es hat mich
verwirrt und betrübt. Aus welchen losen Fäden ist der Traum eures Glücks
gesponnen!« - »Es lebt dafür in unsrer Seele etwas, das, dem ungebildeten
Menschen fremd, uns über jeden Glückswechsel erhebt!« -
    »Nein, Siegen oder Untergehen!« rief Florentin aus, als er allein war. - Und
doch hatte die freudige Gelassenheit, mit der der Doktor die letzten Worte
gesprochen, etwas in ihm erregt, das ihn nachdenklich machte. Am Ende blieb er
aber freilich dennoch überzeugt
