 auf Sie an. Sie werden also wohltun
ihm auszuweichen.« - »Ich bin ihm ausgewichen«, sagte Florentin; »doch wenn er
mich geflissentlich sucht, so soll er mich finden! Aber wie dauert mich das gute
Kind, dass der schönste Moment, die Blüte ihres Daseins unter einem solchen
Einfluss verdorren muss! Kann man sie nicht losmachen? Ist es nicht möglich, der
Gräfin Klementina Licht über seine Nichtswürdigkeit zu geben?« - »Diese ist ja
nichts weniger als im Irrtum über ihn, aber ich glaube Ihnen schon gesagt zu
haben, wie sie darüber denkt. Sie lässt jeden auf seine Gefahr nach seiner
Überzeugung handeln, und hält sich durchaus nicht für berechtigt, vermittelst
ihrer Autorität andre zu bestimmen, nicht durch Vorstellungen, viel weniger
durch irgendein Zwangsmittel. Betty ist es bekannt, wie die Gräfin über Walter
denkt, da sie sich aber gebunden glaubt, und in der festen Hoffnung lebt, die
Liebe würde ihn erziehen, so hält Klementina es für einen Wink der Vorsehung,
für ein unabänderliches Verhängnis, dem sie sich nur sträflicherweise, und
dennoch ohne Nutzen entgegensetzen würde.« - »Glaubt Klementina nur an eine
göttliche Vorsehung, und nicht zugleich auch an die vernichtende Einwirkung des
Teufels, so hat sie doch nur eine halbe Religion, das sollten Sie ihr einmal
sagen. Unbegreiflich bleibt immer die verhasste Schwäche (denn lassen Sie es uns
ja nicht Liebe nennen) vieler, ja sogar ausgezeichneten Frauen, für Menschen,
die ihnen in jeder Rücksicht untergeordnet sind; es ist hier nicht das erstemal,
dass ich einen liebenswerten, achtungswürdigen Mann gegen einen Wicht habe
zurücksetzen sehen. Sollte nicht etwa die Täuschung dabei zum Grunde liegen, dass
die Achtung, die sie für jenen zu haben sich gezwungen fühlen, ihre
Oberherrschaft zweifelhaft macht? oder dass sie die Würde der Liebe nicht
verstehen, und sich ihrer als einer Schwäche vor dem Manne schämen, den sie
einer gleichen Schwäche für unfähig halten?« - »Nichts davon! Keinen andern
Grund kann es in diesem liebereichen, unbefangnen Herzen geben, als
unbestechliche Treue, die der Hingebung folgt. Der Verführer verstand es, ihre
Sinne gefangenzunehmen; sie ahndet nicht die Möglichkeit, wie dieses hätte
geschehen können, wenn sie ihn nicht liebte. Sie ist unschuldig trotz ihrer
Schuld, und ihre Treue höchst achtungswert!« - »Lernt sie aber nicht endlich
diesen Irrtum verachten, und erkennt die Liebe; tritt an die Stelle der
blühenden Unbefangenheit nicht die Reife der Achtung vor sich selber, die eine
liebende Frau nur in der Liebe für einen hochverehrten Mann findet, so waren es
dennoch taube Blüten, oder ein giftiger Tau hat die edle getötet. Und darum ist
es Eure Pflicht, sie, wenn
