 eine
Laufbahn finden, die Ihnen genügte, und Ihrer würdig wäre!« - »Das doch noch
nicht«, antwortete er gelassen; »das darf ich noch nicht. Zuerst will ich, um es
zu dürfen, damit beginnen, dass ich wirklich trotz jeder Lockung das ausführe,
was ich mir vorgenommen, und an dessen Ausführung ich schon soviel Zeit gesetzt.
Sie soll nicht so ganz nur verschwendet worden sein. Sie folgen Ihrem Beruf
unter den Augen der erhabenen Klementina, und werden vielleicht doch noch einst
dauerndes Glück und Lohn aus ihren bildenden Händen empfangen. Mir aber ist es
notwendig, das in großer Masse arbeiten zu sehen, was ich, seitdem ich denken
kann, in mir trage. Allentalben, wo man sich befindet, kann man den Krieg für
die Freiheit unterstützen und verfechten. Allentalben steht man auf dem
Schlachtfelde, wo Habsucht und Barbarei herrscht, und so hinge man freilich,
wenn auch unsichtbar, mit jener großen Masse zusammen; wäre es mir nur nicht so
notwendig, andre Menschen, einen andern Weltteil zu sehen, als den, der sich
jetzt der kultivierte nennt. Das Schauspiel eines neuen, sich selbst schaffenden
Staats ist mir interessant. Es häufen sich überdies immer mehr innere und äußere
Gründe, warum ich in einer übertäubenden Tätigkeit mich selbst zu vergessen
suchen muss.« -
    Nach diesen Worten ward er wieder still, und in sich gekehrt. Bald darauf
gingen sie nach dem Haus des Doktors, das wohleingerichtet, zierlich und bequem,
am Ufer des Sees, mitten in der Kolonie lag. Hier zeigte er ihm seine
vortreffliche Naturaliensammlung, seine reiche auserlesene Bibliothek, die
zugleich einen Schatz an seltenen Karten und Reisebeschreibungen enthielt.
Florentin sprach über diese Dinge mit einer Sachkenntnis, worüber der Arzt
erstaunte, da er ihm dergleichen nicht zugetraut haben mochte; auch nahm er
seitdem sichtbar an Achtung für ihn zu. Er selbst erschien hier bei seinen
Heiligtümern im vorteilhaftesten Lichte. Florentin hatte niemals weniger den
Mangel an Witz und überraschenden Einfällen in der Unterhaltung vermisst, als bei
diesem wahrhaft verdienstvollen Mann. Er ward nicht müde ihn reden zu hören;
auch sprach er immer besser, je mehr er Gelegenheit fand, seine tiefe
Gelehrsamkeit und die mannigfaltigen gründlichen Kenntnisse anzuwenden. Seine
sonst mehr ruhige Physiognomie ward dann durch Begeisterung erhöht, besonders
bei gewissen, ihm heiligen Dingen. So sprach er das Wort Natur immer mit einer
Art von Ehrfurcht aus, so wie man im Tempel sich vor dem Namen des Allerhöchsten
beugt.
    Eine neue Welt ging vor Florentin auf bei seinem Gespräch. Nie hatte er sich
mehr belehrt gefühlt, nie hatte er größere Achtung für einen Menschen empfunden.
Nur zu schnell verging ihm der Abend; es graute ihm, als er daran dachte
