 der alles geleitet wurde. Er hatte, was
dahin gehört, immer in so trauriger und widerwärtiger Gestalt gesehen, dass er es
für erdrückend und Geist ertötend halten musste: aber wie ganz anders fand er es
hier! Jetzt erkundigte er sich mit Teilnahme beim Grafen nach mancherlei, was
ihm fremd war. - »Wollen Sie sich nicht gleich«, sagte dieser, »an den großen
Meister selbst wenden, dessen Schüler auch ich bin? Alles was Sie gesehen haben,
was Sie hier freut, ist das Werk meiner Eleonore, mich hat sie erst zu dem
Geschäft einigermaßen gebildet. Eigentlich leben wir wie unsre deutschen Väter:
den Mann beschäftigt der Krieg, und in Friedenszeiten die Jagd, der Frau gehört
das Haus und die innere Ökonomie.« - »Glauben Sie nur«, sagte Eleonore, »der
Mann, der jetzt eben so kriegerisch und wild spricht, muss manche häusliche Sorge
übernehmen.« - »Es geziemt dem Manne allerdings«, erwiderte der Graf, »der
Gehülfe einer Frau zu sein, die im Felde die Gefährtin ihres Mannes zu sein
wagt.« - »Wie das? darf ich erfahren?« fragte Florentin. - »Nichts, nichts«,
rief die Gräfin, »hören Sie nicht auf ihn! Er wird Ihnen bald eine prächtige
Beschreibung meiner Taten und Werke zu machen wissen, die darauf hinaus laufen,
dass ich ihn zu sehr liebte, um mich von ihm zu trennen. Wollen Sie mein Schüler
in der Ökonomie werden, Florentin? dann setze ich mich zur Ruhe und übergebe
Ihnen das Hauswesen.« - »Es soll ja den Frauen angehören.« - »Nun gut, so wählen
Sie unter den Töchtern des Landes und leben hier in Frieden.« - »Das Recht zu
beidem werde ich erst mühevoll erringen müssen, Gräfin Eleonore, jetzt suche ich
die Ferne und den Krieg.« - »Bravo«, rief der Graf; »auch bekommt die Ruhe nicht
eher, bis man ihrer bedarf.« - Eduard schien hier in einiger Verlegenheit,
Juliane blickte liebevoll zu ihm hin. Das Gespräch nahm eine andere Wendung, und
man ging in einen Gartensaal, wo sich bald alles wieder versammelte, was sich
von der Gesellschaft nach der Tafel zerstreut hatte.
    Juliane setzte sich zum Fortepiano, Eduard und einige andre griffen nach
andern Instrumenten: ein recht gut besetztes Konzert war bald zustande gebracht.
Juliane spielte vortrefflich, und Eduard war Meister auf dem Violoncell.
Eleonore fragte Florentin, ob er nicht musikalisch sei? - »Ich liebe die Musik
als die größte Wohltäterin meines Lebens«, erwiderte er; »wie oft hat die
Himmlische die bösen Geister zur Ruhe gesungen, die mich drohend umgaben
