 wäre wohl das Beste, dass Sie ihn stärkten.
    Meinen Sie? Und wodurch?
    Durch volles Vergessen, volle zärtliche Vaterliebe.
    Wenn's nur damit nicht noch zu früh ist! - Nein, nein! Ich habe die Sache
nach meinem eigenen Kopfe angefangen, und so will ich sie nun auch durchführen?
Ich will den Vorteil nicht ungenutzt lassen, dass der junge Herr durch seinen
Trotz sich mir in die Hände gegeben hat, und dass er nun schon muss, wie ich
will.
    War er denn nicht immer in Ihren Händen?
    Nicht ganz. Ich musste Rücksichten nehmen. - Gesetzt, dass ich in unsrer
ehemaligen Lage gesagt hätte: »Sohn! das und das ist mein Wille; darauf besteh'
ich durchaus; so und so sollst du's machen; oder ich jage dich aus dem Hause,
schicke dich an einen Ort, der dir nicht ansteht, vor dem dir graut:« - denn
unter uns! dass ihm vor seinem Br ... graut, weiß ich sehr sicher; - sagen Sie
mir: was würden die Mutter, die Schwester, Sie Selbst, alle Menschen, von mir
gedacht haben? Ein Tyrann, ein Barbar, ein harter, unnatürlicher Vater wär' ich
gewesen. - Vor seinem Trotze so zu handeln, war in der Tat ohne Härte nicht
möglich; nach seinem Trotze kann und darf ich so handeln, und ich will den sehen,
der mich tadelt.
    Einer wird es doch, lieber Vater.
    Wer? -
    Ein Mann von dem edelsten Herzen: Sie Selbst.
    Falsch! Mit mir selbst bin ich einig. - Ich werde meinem Sohne gerade
heraussagen: mit unsrer Verbindung ist's aus; auf die rechne nicht länger; in
mein Haus, in meine Handlung, kommst du nicht wieder.
    Lieber Vater! sagte der Doctor.
    Das steht fest. Das ist nun einmal entschieden.
    Der Doctor war nicht wenig erschrocken. - Sie werden mich wenigstens
anhören, hoff' ich, und dann weiß ich gewiss: Sie werden ganz anders denken.
    Sie anhören? Das will ich gerne. Hier sitz' ich! - Aber ganz anders denken?
Da müssten Sie mir doch etwas sehr Sonderbares zu sagen haben.
    Nichts sehr Sonderbares, aber sehr Wahres.
    Schön! Ich bin neugierig darauf.
    Sie können's nicht sonderbar finden, wenn ich behaupte: dass eine einzige
Tat, zu welcher glückliche oder unglückliche Umstände einen Menschen hinrissen,
ihn von Grundaus verändern, ihm gleichsam eine neue Seele einhauchen kann.
Bewusstsein einer ehrlosen, schändlichen Handlung kann den Menschen auf immer
verschlechtern; Bewusstsein einer guten und großen, ihn auf immer veredeln.
    Wohin zielt das? fragte der Alte.
    Sie
