 müsst' ich denn ihrentwegen
entbehren? Was müsst' ich ihr aufopfern? - Ich sehe nichts.
    Ist dir der Reichtum nichts, den so manche Andre dir zubringen würde? - Die
Witwe an sich selbst ist ohne Vermögen.
    Wahr! aber - -
    Was von den armseligen Trümmern des ehemaligen Lykischen Reichtums auf ihr
Teil kommt; ist nach unsern Rechten die Hälfte. Wie viele der Fonds, die ich
aus der Handlung herauszuziehen vielleicht gezwungen bin, glaubst du damit
decken zu können?
    Ich werde mich einschränken, mein Vater. Ich werde die Handlung so viel als
nötig, und mein Hauswesen auf's äußerste einschränken. Ich werde im höchsten
Grade sparsam und tätig werden.
    Gut! Aber das Alles, wirst du am Ende fragen, und muss jetzt ich fragen: für
wen? - Für eine Frau, die schon jetzt nicht die jüngste mehr ist, und von deren
Schönheit vielleicht nach wenig Jahren kaum noch einzelne Spuren da sind.
    Ist's denn ihre Schönheit, auf die ich sehe? - Gott ist mein Zeuge! noch
hab' ich sie mit keiner andern verglichen. Was mich gerührt und mich ihr auf
ewig gewonnen hat, sind die Tugenden, die sie in so mancher traurigen, prüfenden
Lage bewiesen, und von denen ich Monate lang ein naher, glücklicher Zeuge
gewesen.
    Der Alte ging von neuem umher, und schwieg. - Sie hat Kinder, fing er dann
wieder an.
    Die vermehren meine Liebe zu ihr. Es sind ein paar Engel. -
    Aber Engel, die Bedürfnisse haben. - Lass das Wenige, was aus der
Verlassenschaft des Vaters für sie übrig bleibt, durch Zufälle schwinden; so
haben dich diese Kinder Vater genannt, und du wirst verpflichtet sein als Vater
für sie zu sorgen.
    Das werd' ich gewiss, und werd' es mit Freuden.
    Mit Freuden? - Was du ihnen zuwendest, werden deine eigenen Kinder
verlieren. An fremdes Blut wirst du törichter Weise wegwerfen, was deinem
eigenen zu Gute kommen könnte. - Ich bitte dich: wie kannst du einen solchen
Gedanken nur fassen? ihm nur einen Augenblick Raum bei dir geben?
    Der Sohn kannte den Vater zu gut, um nicht äußerst betroffen zu werden. -
Sie reden da nicht aus Ihrer eigenen Seele, mein Vater; unmöglich! -
    Was heißt das? Aus welcher, als aus seiner eigenen, kann man reden?
    Sie schaffen Sich eine fremde, enge, äußerst beschränkte Seele, die Sie mir
als die meinige leihen. Aus ihr nehmen Sie das, womit Sie mich zu verwirren oder
zu überzeugen glauben. - Ich sehe, loh habe Ihre Achtung ganz, und habe sie auf
immer verloren. Ich werde meinen eigenen Weg gehen
