 Hindernisse in mir gehoben, die sie nicht kannte, und
sie hat alle Krankheiten einer Welt in mir geheilt, die sie nicht kannte. Ist
der Tod nicht eine Genesung, und Liebe nicht der Tod? Es gibt eine allgemein
treffende Antwort, eine milde wahre Auflösung aller Rätsel der Kunst, in der
reinen Natur, und die Natur hat sie in die Liebe des reinsten Weibes gelegt. -
Wenn mich Tilie liebt, so habe ich keinen Wunsch, kein Begehren, keine
Geschichte mehr, ich bin aus dem Leben in die Natur getreten, und, guter Römer!
knie dann neben mein Andenken hin, stille deine Tränen, und sprich die wahren,
heiligen Worte: Er ruht sanft, ihm ist es besser als uns, wir müssen alle diesen
Weg, wohl uns! wohl dir!
 
                                 Godwi an Römer
Werdo, der Vater Tiliens, ist heiterer, seitdem ich hier bin. Tilie dankt es
mir, und nennt mich darum den Freund. Da ich sie zum erstenmal sprach, es war in
der Gesellschaft des Alten, waltete für mich eine seltsame Zauberei über ihrer
Rede. Sie sprach in weiten geisterischen Umrissen von der Welt, und ich fühlte,
indem sie mit einer hohen Teilnahme und vielem Geiste die Leiden und das Übel
der Gesellschaft vermutete, dass alles in der Welt recht sei, und wie es sein
könne.
    Unsre Wirklichkeiten wurden unter der zarten Bestimmung ihrer Phantasie zu
einer fremden freundlichen Poesie, so wie ihre Wirklichkeit unsre Poesie sein
könnte. Es ist mir, als sei der Genius der höchsten Kultur auch derselbe der
einfachsten Natur, und habe seinem Kinde die Sitten der Kinder der Gesellschaft
anvertraut, um sie durch die Darstellung jener Unzulänglichkeit für ihr eigenes
Leben empfänglicher zu machen.
    Werdo, der mein Erstaunen über sein weissagendes Kind bemerkte, ergriff in
einer seiner traulicheren Stunden meine Hand, und sprach: »Mein Freund! du bist
mein Hausgenosse geworden, und freuen soll es mich, noch lange in stiller Liebe
so mit dir zu teilen. Ich schwieg bis jetzt, ich glaubte, dass auch dich das
Mitleid ekelhaft durchdringe, und alles müsste ich vor dir und deines Herzens
Vorwitz bang verhüllen. Doch freudig habe ich des Herzens stille Teilnahme
gefunden, vor der ich ohne Scheu, dass du in lautes Seufzen, in Verwundern, wie
kein Mensch es darf, verfielest, die lang entwohnte Offenheit ergiesse. Mein
Schmerz ist still, du hast ihn nie mit Klang und lauten Worten angeredet, so
liebt er dich und mag dich wohl in seiner Ruhe leiden. Das Leben, das ich sonst
um gar nichts fragte, es wollte mir auf alles Antwort geben, und tat es rau mit
scharfen lauten Worten, so dass es mich hinausgedrängt. Itzt frag
