 O
ich hätte weinen können vor Unwillen, dass die Schwäche so schwach ist, dass sie
mich nicht in seine Arme werfen konnte, und nicht zurück von der Stelle bewegen.
Wie ein Schwindelnder am Rande der Tiefe, der nimmer fällt und nimmer
zurückweicht, stand ich da. Nun krachte ein Stuhl, ich sehe um mich, der
Bediente saß auf dem Stuhle, er erwachte, rieb sich die Augen, öffnete sie etwas
unmäßig, und grüßte mich etwas überlaut. Ich gab ihm Geld, und bat ihn zu
schweigen, wenigstens bis sein Herr weg sei. Ich weiß nicht, was ich nachher
dachte und tat, als ich wieder glücklich unten war; um zehn Uhr fand ich mich in
meinem Wagen, es regnete stark, und mein Kutscher bat mich, wieder nach Hause zu
fahren.
    Ich habe gesiegt, und dass ich so unwillig auf diesen Sieg bin, ist mir sein
Wert, es ist das Gefühl der Größe meines Kampfs. Er ist weg, nicht ohne Tränen,
ich bin zurückgeblieben mit dem Bedürfnisse nach einem Menschen wie er. Der
Abschied war in der Dämmerung, und das ist mir Stärke gewesen. Hätte ich lesen
können, was in seinen Zügen geschrieben stand, ich hätte nicht widersprechen
können. Seine Gestalt zerrann in der Scheidestunde aller Gestalten, er schied in
der Dämmrung des Abends, und so ist ihm ein Übergang gewesen von meinem
deutlichen Besitze zum Vermissen. Ich schied in der Dämmerung des Morgens, und
nun scheint mir der leere Tag in die Augen. Ich bin nicht mehr zu bewegen, so
erregt bin ich, ich träume auf meinem Sopha, das ich so spröde abends verlassen
hatte, und das sich mit allen Erinnerungen bitter an mir rächt. Auf das eine
Kissen hat er mit Stecknadeln meinen und seinen Namen verschlungen gesteckt. Ich
mag mich gar nicht mehr ankleiden. Es verbreitet sich eine allgemeine
Nachlässigkeit über mich, und meine Umstände scheinen mir wie Grenzen, die ihren
Inhalt suchen, und sich ewig selbst durchkreuzen. Immer will sich noch kein
Genuss aus mir heraus über diese Welt verbreiten, das gewöhnliche Leben ist mir
wie ein ewiges Halbdunkel, es reizt zur Handlung und zerstört den Raum dazu.
Nacht! Nacht! du undurchdringliche, ewige, du liebende Geliebte, du Gipfel der
unendlichen Tiefe, du Ruhe der Vollendung. -
    Meine Liebe zu diesem Menschen war kunstlos, und mehr als die Kunst, denn
die Kunst kann mich nicht trösten. Allgemeine Träumereien über die Kunst sind
mir am zulänglichsten, ich bringe dann mit, was ihr fehlt zum Leben, die Liebe,
aber sie endigen sich leider meistens mit Sehnsucht nach ihm und sind der Weg
meiner Pflicht zu meiner Sünde. Wer mit einer solchen Tätigkeit in dem
