 das
Ganze, und mit zuviel Kraft ausgerüstet, als dass ich ihn hätte unterstützen
dürfen, sich im Einzelnsten, in mir zu verlieren. Er ist nicht für mich gewesen;
wo hätte ihn sein Engel besser hinführen können als in Ihre Arme, wo alle meine
Unruhen entschlummert sind?
    Lieben sie Ihren Gast, wie Abraham den Engel liebte, der ihm verkündigte,
dass ihm ein Sohn auf der Schwelle des Lebens stehe.
    O ich bin sehr stark geworden, ich werde der Zeit nicht vorgreifen, auch
nicht für Sie. Es wäre zuviel, wenn ich vor Ihnen entwickelte, was ich ahnde,
beinah versichert bin. Die lose entwurzelte Eiche würde mit allen den einsamen
Reben, die sich innig an ihr hinaufschlingen, hinabstürzen über den Berg
Getsemane ihres Lebens, und von neuem in den Gräbern ihrer Freude wurzeln. Ich
glaube fast ganz, dass die Ahndungen Ihrer Freuden eintreffen werden, aber dann
werden Sie nicht vor Freuden sterben, Sie werden leben und Jahre mit unendlich
tiefen Stunden.
    Groß und reichlich ist der Tisch des Herrn, und jeglicher hat seinen
freudigen Wein neben sich stehen, und wie er trinkt, so genießt er. Später,
früher und zu früh ergreifen die Gäste den Becher. Viele nippen sparsam vom
Rande, und wahrlich ihre Höflichkeit ist dem Wirte und seinem Reichtum ein
Schimpf, scheinen sie doch aus der Provinz, aus irgend einer Marktflecken-Welt
des Universums hier zu Tische, und wollen fast genötigt sein. Dies sind die
determiniertesten Herren, in jedem Augenblicke bereit und geschickt, nach einer
kurzen kräftigen Rede für die Tugend auf der Henkerbühne zu sterben, und träfe
jeden seine Geschichte nach seiner Anlage, so wären diese Leutchen ein
ausgesuchtes Chor von Revolutionsopfern, und an ihnen allein würden alle Exempel
statuiert. Sie treten mit beiden Füßen auf dem Laster herum, und tragen auch die
haltbarste Moral so ab, dass man die Fäden zählen kann. Ohne allen Begriff für
eine edle Natur, kämpfen sie sich an der Tugend zu Tode. Ihre Herzensgüte sieht
ihnen zu den Augen heraus, wie ein fauler Hausherr, der immer in der Schlafmütze
am Fenster liegt. Andere Gäste fassen zu derb zu, sie leeren den Kelch zu
schnell, und trinken sich krank in Gesundheiten, übersättigt sitzen sie am
Mahle, wie ein nüchternes Übelbefinden nach einem tollkühnen Rausche; es sind
genialische Renommisten, Sklaven der Freigeisterei, und meistens Parvenus im
Leben. Sie wollten das Mahl begeistern, und fressen die Begeisterung, und viele
unter ihnen, die sich Philosophen nennen, haben keinen andern Wunsch, als ihren
eignen Magen zu verschlingen; sie gehen stolz in so weiten Schuhen, dass sie in
den Schuhen gehen, mit denen sie gehen; zu gar nichts können sie gelangen,
