 und
neigte sich gewaltsam zu mir hin, ohne es erklären zu können. Ich erkannte ihn
durch die Erzählung seines Aufenthalts bei Godwi und seines Geschäfts. Ich
erkannte ihn in der Trennung, und es war die höchste Wonne und der bitterste
Schmerz in die nämliche Minute gelegt. Nur die Überraschung und die Menge der
Menschen um uns machten mir es möglich, den sanft von meinen Blicken
zurückzuweisen, den ich in meinem Herzen trage, und den ich umso fester in meine
Arme schließen mochte, da ich ihn als einen edlen ausgebildeten Menschen
wiedersah. Ach ich war nicht standhaft, die Entdeckung zu verhindern, es war
bloßer Zufall, dass ich mich und sie nicht verriet!
    Alles was Sie mir überhaupt von Eusebio und insbesondere von seiner
Krankheit schrieben, scheint mir ebenso richtig, als Ihre Bescheidenheit falsch.
Sie wollen gar nichts von dem wenigen, womit ich Ihnen Ihre Existenz
erleichtere, verdient haben, und ich soll Ihre ewige Schuldnerin bleiben.
    Die Trauer Eusebios ist mir sehr verständlich. Wäre er unter dem glücklichen
Himmel seines Vaterlandes, wo sein Herz und der Himmel in einem Gleichgewichte
der Glut ständen, so würde er froh sein. Er erwacht vor der Zeit, weil seine
Umgebung auf seine Anlage einen zu großen Reiz ausübt. Obschon er keinen Druck
und keine Geschichte zu bedenken hat, so kann er dennoch nicht mehr Kind sein.
Das Missverhältnis seines Temperaments zu seinem Leben, und zum Lande, in dem er
lebt, zwingt ihn zu reflektieren; da er nun keinen bestimmten Gegenstand haben
kann, so entsteht aus seiner Reflexion über das bloße Bedürfnis die Sehnsucht in
ihm. Er schmerzt mich; wehe dem, der kein Kind sein konnte, er kann nicht
Jüngling, nicht Mann werden - die Jahreszeiten fließen ihm in eines zusammen in
seinem Verlangen - und bedarf in jedem Genuße jeden andern. Eusebio hätte noch
lange Knospe sein müssen, an der der Tautropfen und die Träne hinabrollt, nun
hat sich sein Busen erschlossen, und die Träne liegt still in seiner Kindheit,
ein Bote innerer Trauer für sein ganzes Leben. Die Außenwelt hat ihn nicht auf
der Stufe, die er einnimmt, gefesselt, es spielte kein Kind mit ihm, und so
treibt ihn seine innere Glut aufwärts, die ihn hätte ausbreiten sollen. Ich
fühle deutlich seine Zukunft, er wird nie die Formen kennen lernen, in denen er
lebt, nur in den zusammengesetztern, reichern länger verweilen, jedem halben
Tone wird er entgehen, und leicht viele Stufen des Lebens übereilen. Das
Verlangen ist früher und begehrender in ihm ausgebildet, als er sich die Welt
gewürdiget hat, er öffnet die Arme mit Sehnsucht, und nimmer kann er mehr
umarmen als sich selbst; so entsteht bei immer neuen Versuchen und einem
