 um glücklich zu scheinen, und der Schein in
fremden Augen ist ihnen alles, weil sie zu ermüdet und zu geistlos sind, sich
selbst zu genießen; sie kennen nur den Genuss im Neide des Nachbars, umgekehrt
wie ermüdende und geistlose deutsche Produkte allein im Lobe des Nachbars leben.
- Sonderbar, dass die Engländer uns die guten Arbeiten ihrer Hände so teuer
bezahlen lassen und die schlechten Arbeiten unserer Geister so teuer bezahlen -
Wer ist der angeführte Teil?
    Der ganze Schwarm mit seiner Stimmung war mir unerklärbar; so ist der Pöbel
über die Krone auf dem Haupte und die Krone auf dem Kastrum doloris gleich
verwundert; so isst man Brezeln beim Leichen-und beim Hochzeitsschmaus; so lacht
und tanzt der Dummkopf mit dem lustigen Bruder und dem Patienten an der Chorea
sancti Viti; so geht der Marseillaner Marsch vor den Scharen der bekannten
Halsabschneider her, und ist in Deutschen gesellschaftlichen Zirkeln ein sehr
beliebtes Gesellschaftslied. - Ich sitze in der Kaprise, und kann nicht
mitlächeln mit dem Lächeln des Schlafenden, dem ein Vampir Kühlung und Ruhe
zufächelt, während er ihm das Blut aussaugt. Viel hübsche Gesichter hab ich
gesehen, aber fast alle gehaltlos, am gehaltlosesten waren immer die, die im
fürstlichen Gehalt standen, und am ausgezeichnetsten und schärfsten waren die
gezeichnet, die pfennigweise ihren Unterhalt bettelten, und sie hatten doch ein
Eigentum, das ihnen der Staat nicht nehmen konnte oder wollte, ihre Armut.
Überhaupt ist jeder Sonntag und jeder Tag der Freude eine wahre
Seelen-Masquerade; mit dem Sonntagsrocke zieht der Bürger auch seinen
Sonntags-Charakter an, und nur der Arme wird nicht oder wenig verändert, weil er
entweder kein Sonntagswams oder ein zerrissenes hat, so dass sein
Werkeltags-Charakter entweder ganz erscheint oder durchsieht. Ich glaube, dass
der Fürst daher ebenso wenig vom Glück des Volks aus seinem Jubeln auf Tanzböden
und eine vernünftige Hostie, die im Hochamt emporgehalten wird, ebenso wenig von
der Andacht der Christen überzeugt werden kann, als das Volk von der Huld und
Güte seines Fürsten aus seinem Grüssen im Schauspiel-Haus, und seinem huldreichen
Lächeln bei der offenen Tafel, und die betende Kirche von der Höhe und Heiligkeit
ihres Gottes aus der Länge und Kürze der Arme des emporhebenden Priesters. Auf
den Tanzböden wird durch Gläsergeklirre und Geigengequieke der Verdruss, der sich
nur in der Ruhe über den Niveau unsers Inhalts verbreitet, niedergeschlagen, so
wie in der Kirche die reine Tätigkeit, die nur in der Ruhe aus unsrer Tiefe
emporwallet, exaltiert wird, so wie der Fürst, wie der Götzendienst nie bei
einer öffentlichen Ausstellung beurteilt werden können, wo alle Sedative der
Sklaven- und Herrscherkunst in voller Arbeit sind.
    Ich war angekommen und lief durch die Menge durch, und es ward
