 zurück, denn sie sagte, diese habe ihr den ersten Antrieb zu allem
gegeben, und der einzige Missgriff in ihrem Raisonnement war der, dass sie sich in
der Religion voraussetzte, da sie doch die Religion in sich annehmen musste, wenn
sie je welche wollte gehabt haben.
    Es ist mir leid, dass ich alles das nicht so scherzend und so lustig
ernstaft sagen kann, denn sie parodierte sich selbst in jeder Minute,
überraschte mich plötzlich mit einem Kusse, wenn ich Einrede tun wollte, und war
ich darum unwillig, so fuhr sie so pathetisch fort zu predigen, bis ich lachen
musste, und war dabei so beweglich, dass sie bald aufsprang, ihre Bilder selbst
vorzustellen, bald sich so schnell wieder niedersetzte, dass sie mir einigemal
etwas unsanft begegnete, dann bat sie mich sehr zärtlich und kindisch um
Verzeihung, und das alles war so rasch und bunt hintereinander, dass ich ein
freudiges, reizendes, freies Weib sein müsste, und mir gegenüber ein junger mehr
ungeduldiger, als gesetzter Mann, wenn ich es so hinstellen sollte, wie sie es
tat. -
    Sie behauptete:
    Der sinnliche Mensch werde erbärmlich, wenn er, wie man es nimmt, tugendhaft
würde, denn er übe dann Tugenden, die von seinem ganzen Leben verachtet würden.
Er müsse sich zwingen, und werde eben dadurch lasterhaft, denn er gäbe, um zu
leben, endlich die Tugend hin, und schweife, um sich zu trösten, nach Prinzipien
aus.
    Religion sei nichts als unbestimmte Sinnlichkeit, das Gebet ihre Äußerung.
    Andacht sei es, wenn man nicht mehr als Mensch bete, wenn man als Weib oder
Mann bete; doch könne der Mann es nie zur Andacht bringen, weil das Menschliche
das Männliche bei ihm überwiege.
    Der schlechteste Moment im Leben sei, wo weder Jungfrau noch Jüngling recht
wisse, woran sie seien, und ein verderblicher Streit zwischen Glauben und Wissen
sich erhebe; in diesem stehe Violette.
    In der Religion sei es ebenso, es komme den Menschen heutzutage eine
boshafte Lust an, sich ihrer selbst zu bemächtigen, um sich zu befreien, aber
nur der sei ein Sklave, der sich selbst besitze, nur im allgemeinen wäre
Freiheit, und in der Person die höchste Tyrannei.
    In diesem schlechten Momente höre der Mensch auf zu glauben und meine,
Wissen sei etwas anderes als ein langweiligeres Glauben, das einen erst mit
einer kleinen Reihe von Schlüssen hinhalte, ehe es einen glauben lasse, denn
endlich müsse man doch glauben, was man wisse.
    Das allererbärmlichste Aberwissen sei, die unbefleckte Empfängnis für einen
Aberglauben zu halten; wer denn irgend eine Empfängnis wisse? und dieses sei
grade der Punkt, wo der Mensch recht überführt werde, dass alle Seligkeit
