 welche grelle Lichter über die hageren plumpen Gesichter der
Leichenmänner wirft; von ihren Hüten fallen schwarze Flöre, welche schön
durchsichtig dem hellen Scheine eine Halbtinte entgegensetzen. Etwas entfernt
von den Fackeln, doch allein in ganzer Beleuchtung, lehnt der Jüngling
ohnmächtig im Arme eines Dieners, sein Kopf sinkt abwärts, so dass er von oben
beleuchtet wird; er hat schöne blonde Locken, und einen edlen Gesichtsschnitt;
der Bediente zieht ihm das Halstuch ab, und hat ihm die Kleider geöffnet, ein
grüner Mantel fällt von seinen Schultern, und antwortet dem Grüne des Baumes,
der durch die Fackel von unten erleuchtet wird; in dem Baume sieht man den
Italiener dunkel sitzen. Im Ganzen sind keine heftigen Farben, nur starker
Kontrast von Dunkel und Licht.
    Es war, wie dumpfes Murren in den dunkelsten Stellen, um die Flamme der
Fackel einige lauten Schreie, um den Jüngling stille Bangigkeit, und er selbst
leises Atmen und Seufzen. - Man meinte, es müsse sich nun bald ändern, sie
müssten bald auseinandergehn.
    Godwi ließ den Vorhang wieder fallen, und ich sagte: »Gut, es war Zeit,
lange konnten die vielen Menschen nicht hier in der kleinen Stube sein, der Atem
ward mir schwer.«
    Wir verließen den Saal, und ich besuchte Georg, den Diener, der sehr krank
war.
 
                          Sechsundzwanzigstes Kapitel
                Fortsetzung der Geschichte der beiden Schwestern
Marie und der Vater waren sehr stille auf ihrer Fahrt nach dem Gute der Gräfin;
sie waren lange nicht im Freien gewesen, ihre Gemüter waren gleich ruhig, sie
hatten sich nichts mitzuteilen, und es war ihnen beiden, als wären sie allein;
doch fühlten sie eben durch dieses stillschweigende doppelte Dasein ineinander
dies Alleinsein nicht. -
    (Dies mag wohl das eigentliche Wesen der Freundschaft sein, das so selten
lebt, ohne wirkliche Vermischung - bloßes stilles wohltätiges Gefühl der schönen
Umgebung, das Nebeneinanderströmen harmonischer Töne. Der Freund kann nichts,
als unser Selbstgefühl aufheben, in dem er das seinige verliert, und sich wohl
befindet. Wo man die Freundschaft selbst fühlt, gibt einer oder der andere zu
viel oder zu wenig, und hat die Sache ihr Ende. Sie ist bloße Verstärkung des
Daseins, und Verminderung des Selbstgefühls im allgemeinen Medium des Lebens;
aus den Einzelnen macht sie eine Summe, stellt sie dem Mächtigen entgegen, und
macht den Begriff Volk allein ehrwürdig, im Gegensatze des Begriffes Herrscher,
Weiser, Dichter. - Sie setzt in der höchsten Unschuld keine Notwendigkeit der
eignen Gattung voraus, der natürliche gesunde Mensch ist ebenso Freund mit dem
Licht und dem Dunkel, den grünen Bäumen, seinen Werkzeugen, Werken und Gedanken,
als seinem menschlichen Freunde; ja die Freundschaft mit dem Menschen
insbesondere ist Folge der verlorenen Unschuld,
