 so werde ich euer metrisches Leben, ohne dass ihr es merkt, und noch
viel mehr gelebt haben. Ich will durch die Täler des Lebens wandeln, wo die
Schönheit in der Spiegelfläche meiner Phantasie scherzt, wo die Wollust von mir
errungen wird, wo ich ihr Meister bin und sie mir mehr als sich selbst, mir auch
die Ruhe und den Genuss des Genusses gibt. Lass mich immer die Blumen meines
Weges pflücken, Braut- und Trauer- und Dichter-Kronen draus winden, meinen
Becher mit ihnen kränzen, sie über das Lager der Liebe streuen, und endlich sie
mit dem Salze der Erfahrung zu einem Potpourri umschaffen, um sie, wenn die
Kunst eintritt und ich auf Rollwagen meine mangelhafte Natur als Greis in der
Familienstube herumbewege, in der Urne meiner begrabenen Jugend auf den Schrank
zu stellen, in dem die Sparbüchsen meiner Kinder stehen - Lass mich sie pflücken,
die Blumen meines Wegs, wer weiß, ob ich sie nicht einst auch zu Heuhaufen mähen
und wie die heutigen Ökonomen zur häuslichen Stallfütterung anwenden muss. Ich
lebe nun einmal in einer Traumwelt, und tue ich nicht recht, wenn ich darin
lebe, wie man es kann? Du hast mir so oft geklagt, dass doch alles, was wir
wissen, alles, was wir tun, Schatten sei; nun sieh, ich lebe dein Schattenleben,
drum bin ich so glücklich an Jodunos Seite im Schatten der Eichen, drum lernte
ich sie kennen in der Sterbestunde des Tages, in der Abendröte, in der die
Schatten alle geboren werden. Können wir das Glück nicht doppelt genießen, bei
dessen Geburt wir zugegen sind und das wir uns selbst erziehen? Zweck ist doch
ein Donnerwort in deinem Munde; Zweck des Daseins, des Nützlichseins, den
versäume ich? Mit deinem Zwecke hat es wenig auf sich, durchlaufe dein System,
du kommst nicht weiter, du stehst im Zirkel, und zwar in dem kleinsten - Arbeit
um Geld, Geld um Brot, Brot um Nahrung, Nahrung um Stärke zur Arbeit; hier ist
Arbeit Mittel und Zweck, indes du der Zweck und nie das Mittel sein müsstest, und
dein Donnerwort ist ein bloßer Schreckenberger gewesen. So lebt, so raisonniert
ihr Herrn Bürger, und wer ein Kaufmann obendrein ist, der geht ab von der Wiege
unter Gottes Geleite wie ein Frachtballn, gut oder schlecht conditioniert, wird
unter Gottes Geleite von den Spediteurs gemisshandelt, von den Fuhrleuten
bestohlen oder verfälscht, und kommt unter Gottes Geleite an dem Grabe an. Eure
Tätigkeit gleicht der eines bigotten Schmiedes, der sich täglich einen goldnen
Nagel zu seinem goldnen Sarge erarbeitet, um sich einstens in diesen Kasten zu
legen und sich in die Schatzkammer einer reichen Abtei beisetzen zu lassen.
