Ärgern Sie sich nicht,« erwiderte er, »denn ich tue weder das eine, noch
will ich das andere, aber mit Ihrer Ungestalt des Romantischen bin ich nicht
zufrieden, und setzte Ihnen grade den Tasso entgegen, da ich ihn kenne, und
leider nur zu sehr empfinde, wie scharf und bestimmt seine Gestalt ist. Das
fühle ich nur zu sehr, da ich damit umgehe, ihn einstens zu übersetzen.«
    »Dass Sie es zu sehr fühlen, ist ein Beweis für mich«, sagte ich; »die reine
Gestalt fühlt man nicht zu sehr; und nehmen Sie sich in acht, dass Sie es auch
den Leser Ihrer Übersetzung nicht zu sehr fühlen lassen, denn nach meiner
Meinung ist jedes reine, schöne Kunstwerk, das seinen Gegenstand bloß darstellt,
leichter zu übersetzen als ein romantisches, welches seinen Gegenstand nicht
allein bezeichnet, sondern seiner Bezeichnung selbst noch ein Kolorit gibt,
denn dem Übersetzer des Romantischen wird die Gestalt der Darstellung selbst ein
Kunstwerk, das er übersetzen soll. Nehmen Sie zum Beispiel eben den Tasso; mit
was hat der neue rhytmische Übersetzer zu ringen? Entweder muss er die
Religiosität, den Ernst und die Glut des Tasso selbst besitzen, und dann bitten
wir ihn herzlich, lieber selbst zu erfinden; hat er dieses alles aber nicht,
oder ist er gar mit Leib und Seele ein Protestant, so muss er sich erst ins
Katolische übersetzen, und so muss er sich auch wieder geschichtlich in Tassos
Gemüt und Sprache übersetzen, er muss entsetzlich viel übersetzen, ehe er an die
eigentliche Übersetzung selbst kommt, denn die romantischen Dichter haben mehr
als bloße Darstellung, sie haben sich selbst noch stark.«
    »Bei den reinen Dichtern ist dies der Fall wohl nicht,« sagte Haber, »da sie
doch noch etwas weiter von uns entfernt sind.«
    »Nein,« erwiderte ich, »obschon sie etwas weiter von uns entfernt sind, und
grade deswegen nicht, weil diese große Ferne jedes Medium zwischen ihnen und uns
aufhebt, welches sie uns unrein reflektieren könnte. Die Bedingnis ihres
Übersetzers ist bloße Wissenschaftlichkeit in der Sprache und dem Gegenstande,
er darf bloß die Sprache übersetzen, so muss sich seine Übersetzung zu dem
Original immer verhalten, wie der Gipsabdruck zu dem Marmor. Wir sind alle
gleichweit von ihnen entfernt, und werden alle dasselbe in ihnen lesen, weil sie
nur darstellen, ihre Darstellung selbst aber keine Farbe hat, weil sie Gestalt
sind.«
    Godwi sagte scherzend: »Nun also, lieber Haber, fangen Sie nur vorher an,
sich zu übersetzen, schwerere Kontraktionen wollen wir Ihnen erläutern helfen,
und tiefe Stellen, sollten welche vorkommen, müssen Sie erst in Konfessionen
ergießen, um sie ans
