, Stand und anderm dergleichen Unsinn.«
    Was Herr Haber sagte, langweilte mich, dennoch wollte ich es der
Freundschaft nicht entgelten lassen, da ich hier unter den hohen Eichen so recht
gestimmt war, ihr eine Rede zu halten.
 
                                Viertes Kapitel
Ich lehnte mich daher an einen Baum, und hielt folgende Rede an Herrn Haber -
    »Was nennen Sie Freundschaft, jenes Weinen aneinander, jenes Lachen
aneinander, jene Würdigung unserer eignen Armut in den Augen des Freundes, das
gegenseitige Erseufzen über die Beschränktheit und Grenzenlosigkeit, das
Hingeben und Annehmen von Dingen, die keiner brauchen kann, und die den, der sie
gibt oder nimmt, zu unserm Freunde machen, weil grade kein andrer die Sache
genommen hätte, das Aufessen einer einzigen Person, dass man endlich, an einem
einzigen übersättigt, allen Sinn für das andre verliert, die gegenseitige
Notülfe der sich Nächsten, weil sie Not haben und faul sind - nennt ihr das
Freundschaft - o dies kann nur in ärmlichen, stolzen und einseitigen Menschen
Raum haben, die einen großen Nutzen in der Welt zu schaffen glauben mit ihren
Empfindungen, und ihre eigne Armut zu beherbergen, einen Freund brauchen, der
ihr in seinem Herzen ein Obdach verschaffe. -
    Alles dieses ist entweder gleichseitige Erbärmlichkeit oder
Niederträchtigkeit und Barmherzigkeit, Dummheit und mitleidiger Stolz von der
einen oder andern Seite.
    Freundschaft ist nur unter den Vortrefflichen möglich, deren ganzes Leben
ein ewiger Fortgang nach dem Höchsten ist. Sie streben nicht danach, denn alles
Streben geht von Armut, Bewusstsein der Armut, Begierde und Vorsatz aus, wird
dadurch absichtlich, und hört auf, eine freie schöne Handlung zu sein.«
    Hier fiel Herr Haber wieder ein:
    Streben wäre nicht frei, nicht schön, es dürfe keine Absicht sein. -
    »Lieber Herr Haber,« sagte ich, »stören Sie mich nicht. - Streben ist
freilich erlaubt, auch Absicht, aber nur dem Künstler, der Genie war, und
Künstler geworden ist, an diesem bin ich aber noch nicht - also -
    Sie streben nicht, sie sind ausgesandt von Gott, und wissen es nicht; ihr
Leben ist nichts als das fortgehende Bilden eines Kunstwerks alles Schönen, wozu
sie gleichsam die Zeichen, die Buchstaben sind; sie berühren sich wie Akkorde,
und ihr Zweck ist der schöne Ausdruck des Liedes. So reihen sich Glieder an
Glieder in schön geschwungenen Wellen, und bilden das herrliche Bild, so
wechselt der Schritt der Silben, um des Liedes Tanz hervorzubringen, so gießt
sich Farbe an Farbe und bildet des Gemäldes Zauberei. Diese Berührung ist die
Freundschaft.
    Durch ihre eigne innere Bildung können zwei nebeneinander stehen, aber nur
um der großen Harmonie ihrer Aufgabe willen.
    Die Eigentümlichkeit eines jeden bleibt unangetastet,
