 zu besinnen, als was ich
eigentlich mein Leben zubringen sollte, einen andern damit, da mich die Theorie
langweilte und meinen Vorgesetzten Faulheit schien, alle Stände wie die Röcke
einer Trödelbude anzuprobieren, und ich stak wahrlich recht unschuldig mit einem
von den besten Willen in allen Arten von Propyläen, aber ebenso willig, ebenso
unschuldig verließ ich sie wieder nach der Reihe.
    So kam ich endlich in meinen vielen nicht ausgehaltenen Lehrjahren zu Herrn
Römer, den die Leser aus meinem Buche kennen; er ist ein reicher Kaufmann in B.,
und ich sollte mich seinem Stande widmen. Ich ward in seiner Familie freundlich
aufgenommen, seine Gemahlin kannte meine Eltern, die ich nicht kenne, und nahm
sich meiner wie eine Mutter an. Ich habe ein leicht bewegliches Gemüt, und Herr
Römer hatte eine sehr schöne Tochter, in die ich mich etwas verliebte. Obschon
mein Herz an einer früheren Leidenschaft litt, die ich nie zur Ruhe bringen
konnte, so ergab ich mich hier dennoch neuen und leichtern Fesseln.
    Herr Römer bemerkte bald, dass diese Leidenschaft weder mir noch seiner
Tochter zuträglich sei, und überhaupt fand er, dass der Stand, den ich unter
seiner Leitung ergriffen hatte, mich nie ergreifen würde.
    Er stellte mir beides mit vieler Freundlichkeit vor, und da er meinen
Schmerz über meine ewige Unbestimmteit bemerkte, gab er mir ein Päcktchen
Briefe mit folgenden Worten:
    »Mein lieber Maria, dies ist ein Briefwechsel zwischen sehr edlen und
intressanten Menschen, er enthält auch einen Teil meiner Lebensgeschichte; lesen
Sie ihn durch, ich glaube, die Geschichte dieser Menschen wird Sie über Ihre, im
Verhältnisse mit jener noch sehr einfache, Geschichte trösten. Zu gleicher Zeit
bitte ich Sie, den Versuch zu machen, diese Briefe nach dem Faden, den ich Ihnen
geben will, zu reihen, und hie und da zu ändern, damit mehr Einheit hineinkömmt.
Ich denke das Ganze herauszugeben, und habe die Erlaubnis der vorkommenden
Personen dazu.« Und weiter eröffnete er mir, dass er von unbekannter Hand
reichliche Anweisungen erhalten habe, mich zu unterstützen, und zwar unter der
Bedingung, dass ich auf der naheliegenden hohen Schule studieren solle.
    So sehr mich auch mein Glück erfreute, war es mir doch schmerzlich, meine
Leidenschaft zu der Tochter des Herrn Römers aufzugeben, und da ich diesen
Schmerz recht von Herzen äußerte, sagte er mir:
    »Wenn Sie sich mehr bilden, werden Sie leicht einsehen, was zwischen Ihnen
und meiner Tochter liegt, und es leichter überwinden können.« -
    Wie ich mit den Briefen umging, weiß man; wie ich mich bildete, wird die
Zukunft vielleicht auch wissen, denn bis jetzt habe ich noch nichts gesehen, was
zwischen mir und meiner Liebe
