. Verliere ihn nur nicht, mache um
Gotteswillen keinen Papierdrachen für Eusebio, noch einen Haarwickel für jemand
anders draus. -
    Joduno also kommt hierher - und wie das?
    Die Brünette war mit ihr in einem Kloster, wo sie miteinander erzogen
wurden, sie ist ihre innige Freundin, und dies verspricht viel für Joduno.
    Denn wer dieses Mädchens Freundin ist, mag wohl die Achtung der Welt
verdienen; aber wenige sind es ganz, das heißt, wenige können ihr geben, was ihr
fehlt - Sie selbst - und nur der kann es, der ihr Freund nicht so ist, wie es
alle diese sind, die sie nur lieben, weil sie so viel gibt; nur der kann es,
der wie ein Spiegel vor sie tritt, der nur alles nimmt, um es ihr zu geben.
    Ihr Leben war bestimmt, zum Himmel, zu der Kunst, zur unendlichen Liebe
hinzuströmen, aber sie ward aufgefangen zum Strome, sie ward von dürftigen Ufern
eingefasst, und ergoss sich aus Mitleid freundlich rauschend, nährend und
spiegelnd durch das arme Leben andrer; viele taugliche, schiffbare Flüsse,
einige fischreiche Bächlein, und viele Waldströme und wilde Schneegewässer
rannen gierig in sie hinein, um sich vergrößert und auf der Landkarte in ihr
geehrt zu fühlen. Schweigend nimmt sie alle auf, die sich ihre Freunde nennen,
und führt sie weiter; durch diesen Zufluss ist sie aufgehalten zu vergehen, sie
muss langsam die trüben Wellen abwärtswälzen, und ihre Freunde merken es nicht,
dass sie sie aufreiben - über ihr steht die Sonne und saugt sie gierig hinauf,
schon an der Quelle dort strahlt sie dankend der Sonne Bild zurück, und sie wird
wohl bald versiegt sein und im Gedanken leben, wenn das zusammengeflossene
Gewässer ihrer Freunde den Strom allein ausmacht, den man Sophie nennt. - Sie
ward umfasst, und sollte alles gelinde umfassen, und wenn ich sie ansehe, ist
mir, als sei sie nur noch die Form ihres Lebens, und zerbricht diese, so werden
die, die sie so fest zusammenpackten, mit den Köpfen zusammenstossen, und weinen,
dass sie nun auf ihren eignen Füßen stehen müssen.
    Weil ich doch dabei bin, so will ich über die Brünette in einer Fabel
weissagen. -
    Eine kraftvolle, herrliche Eiche wächst in der Mitte von vielen andern
gewöhnlichen Bäumen. Die Menschen kommen und wollen sich Hütten bauen, sie hauen
die gewöhnlichen Bäume nieder, und keiner möchte gern die Eiche verlieren, so
bauen sie denn rund um die Eiche schlechte, baufällige Hütten. Die Eiche, die
sich durch inneres Leben weit und mächtig ausbreitet, wusste gar nichts von den
Hütten und wächst ruhig fort; die Menschen aber glauben, es wäre recht schön,
wenn sie die
