 auf die architektonischen Landreisen mit, die er immer zu
machen hatte. Er führte ihn mit begeisterter Ehrfurcht in die heilige Welt des
Homers und des Sophokles ein; und ging mit ihm unter die höheren, ganz
entwickelten, von einseitiger ständischer Kultur noch unverrenkten,
schöngegliederten Menschen dieses Zwillings-Prometeus, die wie Salomo für alles
Menschliche, für Lachen, Weinen, Essen, Fürchten und Hoffen eine Zeit hatten und
die bloß die rohe Grenzenlosigkeit flohen; die auf den Altären aller Götter
opferten, aber auf dem der Nemesis zuerst. Und Dian - dessen innerer Mensch ein
ganzer war, dem kein Glied ausgerissen ist, keines aufgeblasen und alle
grossgewachsen - ging selber als ein solcher Sophokles-Homerischer Grieche mit
dem Lieblinge um. Er machte ihm - indes Wehmeier und die Pflegeeltern ihm
überall mit einer Kanzel und einem Kirchenstuhle nachliefen, bei jedem heftigen
Unwillen oder Wunsche oder Jubel, den er zeigte - mit schöner liberaler Freiheit
Raum, sich breit und hoch zu entwickeln. Er ehrte am Jünglinge das St. Elms -
oder Helenen-Feuer, wie am Greise das Eis; das Herz kräftiger Menschen, glaubt'
er, müsse wie ein Porzellangefäss anfangs zu groß und zu weit gedrehet sein, im
Brennofen der Welt laufen beide schon gehörig ein. Ebenso fordr' ich von einem
Jünglinge erst Intoleranz, dann nach einigen Jahren Toleranz, jene als die
steinige saure harte Frucht eines kräftigen jungen Herzens, diese als das weiche
Lager-Obst eines älteren Kopfes.
    Aber indem der Baumeister mit ihm zeichnete, mit ihm Abgüsse der Antiken und
Kunstwerke anschauete: so machte er am schönsten vor diesen seine Liebe für das
artistische Zeichen der Waage am Menschen, der sein eigenes Kunstwerk sein soll,
und seine Abneigung vor jedem Paroxysmus offenbar, der die äußere Schönheit in
Falten bricht wie die innere, und seinen Wunsch, seine Gestalt und sein Herz
nach der hohen Stille auf den Antiken zu ordnen.
    Der Baumeister bewahrte, wie oft der Künstler und öfter der Schweizer,
europäische Kultur und ländliche Naivetät und Einfachheit nebeneinander, seiner
geliebten Baukunst gleich, worin mehr als in den andern Künsten Schönheit und
messende Vernunft zusammengrenzen; er ließ daher zuerst Albano in den Hörsaal
der Philosophie, aber im Freien außen am Fenster stehend, hineinsehen und
hineinhören. Er führte ihn nicht in den Steinbruch, vor die Kalkgrube und auf
den Zimmerplatz der Metaphysik, sondern sogleich in das damit fertig gemachte
schöne Betaus, sonst die natürliche Theologie genannt. Er ließ ihn keine
eiserne Schlusskette Ring nach Ring schmieden und löten, sondern er zeigte sie
ihm als hinunterreichende Brunnenkette, woran die auf dem Boden sitzende
Wahrheit herauf, oder als eine vom Himmel hängende Kette, woran von den
Untergöttern (den Philosophen) Jupiter heruntergezogen werden soll. Kurz
