 Stamm
und Gezweig doch jahrhundertelang am Sklaven-Gitter trocknete und dorrte. Wer
nicht vor der Revolution ein stiller Revolutionär war - wie etwan Chamfort, mit
dessen feuerfesten Brust ich einmal in Paris an meiner schönes Feuer schlug,
oder wie Montesquieu und J.J. Rousseau -, der spreize sich mit seiner
Tropfenhaftigkeit nicht breit unter seine Haustür aus. Freiheit wird wie alles
Göttliche nicht gelernt und erworben, sondern angeboren. Freilich sitzen im
Frank- und Deutschreich überall junge Autoren und Musensöhne, die sich über
ihren schnellen Selbst-Gehalt verwundern und erklären, nur verflucht erstaunt,
dass sie nicht früher ihr Freiheitsgefühl gefühlt, weiche Schelme, die sich als
ganze blasende Walfische ansehen, weil sie einiges Fischbein davon um die Rippen
zu schnüren fanden - Immer würd' ich in einem Kriege, wie ihn die tote Zeit
geben kann, glauben, zwar gegen Toren zu kämpfen, aber auch für Toren.
    Die jetzigen zynischen, naiven, freien Naturmenschen - Franzen und Deutsche
- gleichen fast den nackten Honoratioren, die ich in der Pleisse, Spree und Saale
sich baden sah: sie waren, wie gesagt, sehr nackt, weiß und natürlich und Wilde,
aber der schwarze Haarzopf der Kultur lag doch auffallend auf den weißen Rücken.
Einige große lange Menschen und Väter der Zeit, wie Rousseau, Diderot, Sidnei,
Ferguson, Plato, haben ihre abgetragnen Hosen abgelegt, und diese tragen ihre
Jungen nach und nennen sich, weil sie ihnen so weit, lang und offen sitzen,
deswegen Ohne-Hosen.
    Zwar statt des Degens könnte ich auch sehr gut das Federmesser ergreifen und
als schreibender Cäsar aufstehen, um die Welt zu bessern und ihr und sie zu
nutzen. Es wird mir denkwürdig bleiben, das Gespräch, das ich darüber mit einem
berlinischen allgemeinen deutschen Bibliotekar aushielt, als wir still im
Tiergarten auf- und abgingen. Jeder wuchere doch seinem Vaterland mit seinen
Kenntnissen, die sonst vergraben liegen, sagte der deutsche Bibliotekar. Zu
einem Vaterland gehört zuvörderst einiges Land, sagt' ich, der Malteser
Bibliotekar aber, der hier spricht, erblickte das Licht der Welt zur See unter
einem pechfinstern Sturm. Kenntnisse besitz' ich freilich genug und weiß, dass
man sie wie ein Glas voll Kuhpocken, vernünftig genommen, nur dazu hat, um sie
einzuimpfen - der Schüler seinerseits schlingt sie wieder nur ein, um sie von
sich zu geben, und so gibt sich das Weitere. So fährt das Licht, wie im Spiel
"stirbt der Fuchs, so gilts den Balg" der glimmende Span, von Hand zu Hand, bis
aber doch der Span in einer - meiner verlöscht und verbleibt.
    Launig genug! (sagte der allgemeine Bibliotekar) Mit einer solchen Laune
verbinden Sie nur
