 der Jüngling begleiten; endlich musst' er zu
einer langen Entfernung Herz und Auge von den Geliebten reißen, als über die
grünen Täler her schon die mächtige Peters-Kuppel herüberglänzte und die
Zypressen, stolz nur von Zypressen umgeben, das Gold des Abends auf den Zweigen
trugen, ohne sie zu regen. Alle hatten das Auge am schönen Rom, aber ihr Herz
war nur auf Isola bella, wo sie einander wiederzufinden versprachen.
 
                                   117. Zykel
Auf dem Wege nach Isola bella dacht' er seiner kriegerischen Stunde mit der
heftigen Linda nach und dem Charakter dieser Kriegsgöttin. Er erschrak über die
steile Höhe, über welche er sich vor wenigen Tagen so weit herübergebückt, da
Linda so entschieden ist, nichts kennt als Leidenschaft oder Vernichtung. Und
doch fand er jetzt in der Abkühlung ihre gebietende Foderung an seine Freiheit
noch härter und sagt' es sich stark, das Weib dürfe nicht das heilige Gebiet der
männlichen Entfaltung einengen oder beherrschen. Von der andern Seite war ja
alles Liebe und deren Übermaß - und je länger er reiste und verglich, desto
einsamer und dunkler wurd' es auf der Stelle seines Lebens, auf welche nur sie
die große Flamme warf. Sie rückte ihm durch sein stilles Beschauen ihres Geistes
im Geiste viel heller und näher als durch die Gegenwart vorher, weil jenes sie
auf einmal in Harmonie, diese sie mit den einzelnen Dissonanzen ohne die
Auflösung gab. Ihre Kraft der allseitigen Unparteilichkeit für alle Charaktere
war ihm an einem Weibe ebenso selten als groß erschienen; zumal da er selber
diese Kraft mehr in der Achtung für sie und in dem freudigen freien Auffassen
großer, exzentrischer, poetischer Erscheinungen, aber nicht aller und der
platten und schlechten wirken ließ.
    Gleich mächtig und gewachsen standen in ihm nebeneinander Liebe und
Freiheit; nur durch einen neuen Entschluss wurden sie verbunden und versöhnt,
sanft zu sein, nicht bloß stark, ihr sein Freiheitsrecht und seine liebende
Seele recht offen hinzulegen und das edle Wesen zu werden, das ihr gehört: bin
ichs nicht, wenn ichs recht will? sagt' er.
    In der höchsten Lebensfreude, in der Einigkeit mit sich und dem Schicksal,
machte er seine Reise nach Isola bella so schnell, als hab' er da die Geliebte
schon zu finden, nicht erst zu erwarten. Wie manches stand jetzt kleiner an
seinem Wege, an das er das römische Maß und nicht das deutsche legte und wovor
er nun, wie ihm sein Vater vorausgesagt, flüchtiger vorüberging!
    Endlich sah er die Kunst-Alpe von Isola bella in den Wellen stehen; und
landete freudig mit seinem Lehrer in dem Kindheits-Garten an, wo er so viel
erwarten und mit neuen welschen Lebens-Blüten am Herzen aus dem gelobten Lande
scheiden sollte.
    Er
