 seligsten Ruhe schicken? Gewiss nur als Greis.
Jenes hieße den Baum mit dem Gipfel in die finstere Erde pflanzen.«
    »Das ist wieder der Deutsche,« (sagte sie) »nur immer recht Betriebsamkeit.
Die ruhigen Neapolitaner, die Völker am Apennin, an den Pyrenäen, am Ganges, in
Otaheiti, voll Genuss und Beschauung, sind diesem Spanier ein Greuel. Ich dächte,
wenn ein Mensch nur für sich etwas würde, nicht für andere, das reichte zu. Was
große Taten sind, das kenn' ich gar nicht; ich kenne nur ein großes Leben; denn
jenen Ähnliches vermag jeder Sünder.«
    »Wahrlich, das ist wahr,« (sagt' er) »es gibt nichts Erbärmlicheres als
einen Menschen, der sich durch dies oder das zeigen will, was ihm selber groß,
selten und ohne Verhältnis zu seinem Wesen vorkommt und ihm daher gar nicht
angehört. Jede Natur treibt ihre eigne Frucht und kann es nicht anders; aber ihr
Kind kann ihr niemals groß erscheinen, sondern immer nur klein oder gerecht. -
Ists anders, so ist ihr eine ganz fremde Frucht an den Zweig gehangen.«
    »Albano! wie wahr! Aber Ihr hattet sonst nie einen halben Willen, wie
ist's?« sagte Linda. »Jetzt auch nicht!« sagt' er ohne Härte. Man ist am
sanftesten, wo man am stärksten ist mit dem Entschluss. Er suchte nun seine
eignen Worte - das Öl und den Wind für sein Feuer - recht zu sparen und zu
meiden; um so mehr, weil Worte doch gegen nichts helfen, sondern vielmehr das
fremde Gefühl anstatt aus- nur anblasen; dabei wurd' er noch der häufigen Fälle
eingedenk, wo er Linda mit einem einzigen Worte bei aller Unschuld zur Flamme
aufgetrieben. Sie standen, und er schaute hin über das göttliche Land, als
Linda, nach einem stummen Blicken in sein Angesicht, ungeachtet ihres
scheinbar-ruhigen Philosophierens, auf einmal heftig seine Hand anfasste und
rief: »Nein, du darfst nicht, bei meiner Seligkeit, bei allen Heiligen - bei der
heiligen Jungfrau - bei dem Allmächtigen! - du darfst, du sollst nicht!« Einen
Raub gibt es, wogegen ewig der Mann unaufhaltsam entbrannt aufsteht, und beging'
ihn eine Göttin aus Liebe und böte sie dafür eine Welt von Paradiesen: es ist
der Raub seiner Freiheit und freien Entwickelung. Ja, dass es Liebe ist, aber
despotische, zugleich Freiheit übende und raubende, das erbittert ihn nur noch
mehr, und aus dem Nebel des Irrtums wird später das Gewitter der Leidenschaft. -
Linda wiederholte: »Du darfst nicht.« Er sah' ihr bewegtes glänzendes Antlitz
an,
