 vor den auf die Blumen
herunterblitzenden drei Kaskatellen - fing Albano bewegt und begeistert an: »Ich
habe nur einen Grund, liebe Schwester - ich bin noch nichts - ich bin kein
Dichter, kein Künstler, kein Philosoph, sondern nichts, nämlich ein Graf. Ich
habe aber Kräfte zu manchem, warum soll ichs nicht sagen? - Wahrlich wenn ein Da
Vinci alles ist, oder ein Crichton, oder wenn ein Richelieu, ob er gleich den
politischen Thron behauptet, doch noch den poetischen besteigen will: soll ein
anderer mit kleineren Wünschen nicht entschuldigt sein? Und bei Gott! eigentlich
will ein Mensch doch alles werden, denn er kann nicht anders, er sehnet und
treibt sich dazu hin, und das innige versteckte Herz weint Blutstropfen, die
keine Menschenhand abtrocknet, nur die hohen Eisenschranken der Notwendigkeit
halten ihn auf - Schwester, Linda, was hab' ich denn noch getan auf der Erde?« -
    »Diese Frage; - und diese ist genug vor Gott«, sagte Julienne, bewegt von
der wund-stolzen Bescheidenheit des Jünglings und von seiner schönen Stimme,
welche zornig so klang wie gerührt. »Worte! was sind Worte?« (sagt' er) »O man
schämt sich wohl freilich, dass man etwas früher nur denken und sagen muss, eh'
mans tut, obgleich der dürftige Mensch nicht anders kann, sondern jede Tat wie
eine Statue vorher im elenden Wachs der Worte modellieren muss. Ach, Linda,
liegen hier nicht überall um uns Taten, statt der Worte und Wünsche? - Hab' ich
nicht auch einen Arm, ein Herz, eine Geliebte und Kräfte wie andere und soll mit
einem morschen mürben spanisch- oder deutschen Grafenleben aus der Welt gehen? -
O meine Linda, streite du für mich!«
    »Ich bin« (sagte sie, scharf nach der großen Kaskatella blickend, die hoch
aus Bäumen herniederstürmte) »nicht von vielen oder beredten Worten und verstehe
Sie auch nicht ganz. Ich muss mir immer die Worte in Ideen und Wahrheiten
übersetzen und vermag es nicht allzeit. Bei Ihren Worten, Graf, denk' ich mir
gar nichts. Wem die Liebe nicht allein genügt, der ist von ihr nicht erfüllt
worden. Freilich, so mit dem Herzen alles vergessend wie wir, so konzentriert in
eine Idee des Lebens sind die Männer nie. Ach und so wenig ist der Mensch dem
Menschen, ein Menschen-Bild ist ihm mehr und jede kleine Zukunft!«
    »Auch du, Brutus?« sagte Albano betroffen. »Würden Sie« (fuhr sich fassend
fort) »dem Elysiums-Leben auf Ischia eine Ewigkeit für einen Mann geben? Würden
Sie ihn als Jüngling ins Kloer der
