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tief durch seine Stirn; und er überwand sich bloß durch seine jetzige jüngere
Frische des Geistes, durch neu gesammelte Kraft und Gewalt und durch den freien
Gedanken, dass ein Freund dem Freunde wohl und leicht die Geliebte, aber nicht
die Liebende geben und opfern könne oder dürfe.
    Julienne sagte: »Ein Wunder ists nur, dass der Bruder zwischen zwei solchen
Phantasten - wie dieser Schoppe und Roquairol - nicht selber einer geworden.«
Ein flüchtiger Krieg brach aus. Linda sagte: »Schoppe ist nur eine südliche
Natur im Kampfe mit dem nordischen Klima.« - »Eigentlich mit dem Leben selber«,
sagte Albano. Julienne blieb dabei: »Ich liebe überall Regel im Leben; bei
beiden ist man nie ruhig und a son aise, sondern nur a leur aise.« Sie fragte
ihn geradezu über Roquairol. »Er war einmal mein Freund, und ich spreche nicht
mehr von ihm«, sagt' Albano, dem des zernichteten Lieblings folternde Liebe
gegen Linda und selber dessen Verwandtschaft mit Liane die Zunge band. Linda
ging mit dem bloßen Urteile eines überspannten Schwächlings leicht und ohne
besonderes Gedenken seiner Liebe gegen sie oder ihres Abscheues vor ihm darüber
hin; sie vergaß in der Ferne ebenso kalt jeden, der ihrem Innern widrig war, als
sie in der Nähe ihn heftig davonstiess.
    Julienne entfernte sich, um die Anstalten zur kleinen Tag- und Inselreise zu
treffen. Albano schickte ein Blatt an Dian als Marschroute nach Neapel; Linda
sagte über Julienne: »Ein tief- und festgegründetes Gemüt!« - »Das Stamm und
Zweige nur in lauter kleine duftende Blüten einhüllt«, setzt' er hinzu. - »Und
gerade, was sie in Büchern und Gesprächen hasset, die Poesie, die treibt sie
recht in Taten. Individualität ist überall zu schonen und zu ehren als Wurzel
jedes Guten. - Sie sind auch sehr gut«, setzte sie mit sanfter Stimme dazu.
»Wahrlich, jetzt bin ichs,« (sagt' er) »denn ich liebe recht; und nur ein
vollendetes Wesen kann man recht lieben und ganz uneigennützig!«
    
    So muss das Sonnenbild vollendet und rund auffallen, um zu brennen. »Oder
eines, das man dafür hält« (sagte sie) - »Ich bin, was ich bin, und werde
schwerlich anders. Wenn nur der Mensch einmal einen Willen hat, der durch das
Leben geht, nicht von Minute zu Minute, von Mensch zu Menschen wechselt - das
ist die Hauptsache.« - »Linda,« (rief Albano) »ich höre meine Seele - es gibt
Wörter, welche Taten sind; Ihre sinds.« Wenn sie so ihre Seele aussprach,
verschwand vor seinem bezauberten
