
    Bouverot versetzte darauf: »Das ist ganz meine Meinung auch.« Albano
antwortete recht sichtbar nur seinem Vater - weil er den deutschen Herrn tief
verachtete und ihn ganz unwürdig des Genusses hoher Kunstwerke hielt, wofür er
vornehmen Geschmack mitgebracht, obwohl keinen Sinn - und sagte: »Lieber Vater,
die 12000 Juden entwarfen nicht das Koliseo, das sie baueten, aber die Idee war
doch irgendeinmal ganz in einem Menschen, im Vespasian; und so muss überall den
konzentrischen Richtungen kleiner Kräfte irgendeine große vorstehen, und wär' es
Gott selber.« - - »Dahin« (sagte Gaspard) »wo alles Göttliche verlegt wird,
magst du es denn auch versetzen.« - Bouverot lächelte. - »Der gallische Rausch«
(versetzte Albano heftig) »ist doch wahrlich kein zufälliger, sondern ein
Enthusiasmus, in der Menschheit und Zeit zugleich gegründet; woher denn sonst
der allgemeine Anteil?
    - Sie können vielleicht sinken, aber um höher zu fliegen. Durch ein rotes
Meer des Bluts und Kriegs watet die Menschheit dem gelobten Lande entgegen, und
ihre Wüste ist lang; mit zerschnittenen, nur blutig-klebenden Händen klimmt sie
wie die Gemsenjäger empor.« - »Die Gemsenjäger selber« (sagte der Ritter) »tun
das mehr, wenn sie von der Alpe herabwollen; indes sind solche Hoffnungen
reizend, und wir wollen gern ihre Erfüllung wünschen.« - »Signor Konte« (setzte
Bouverot dazu) »nannte sehr gut den Aufstand einen Rausch. Man schläft ihn aus;
aber am Morgen ist manches zerbrochen und zu bezahlen.« »Rausch?« (sagte Albano)
»Welches Beste ist nicht im Enthusiasmus geschehen, und welches Schlechteste
nicht in der Kälte? Welches, Herr von Bouverot? Ja es gibt einen grässlichen,
grimmigen Seelen-Frost, so wie einen ähnlichen physischen, der wie die größte
Hitze schwarz und blind und wund macht179; so etwas wie die französische
Tragödie, kalt und doch grausam.«
    »Du näherst dich dem Tragischen, Sohn« (unterbrach ihn Gaspard und schützte
den deutschen Herrn)- »Wir dürfen von den Franzosen recht viel politische
Sagazität erwarten, zumal in der Not; das ist ihre Stärke. Darin kommen sie den
Weibern bei Auch sind sie wie die Weiber entweder ungemein zart, sittlich und
human, wenn sie gut sind, oder wie diese ebenso grausam und roh, wenn sie außer
sich kommen. - Es lässt sich weissagen, dass sie in einem Freiheitskriege, wenn
er ausbräche, an Tapferkeit es allen Parteien zuvortun werden. Das wird sehr
blenden, da doch nichts seltener ist als ein feiges Volk. Man lernt die
Kriegstapferkeit gemässigt schätzen, wenn man sieht, dass die römischen Legionen,
gerade
