 sich alle in ein tiefes Gewölk; so bin ich jetzt unter der
höchsten Sonne und bin eingehüllt. Wie in Rom, im wirklichen Rom, ein Mensch nur
genießen und vor dem Feuer der Kunst weich zerschmelzen könne, anstatt sich
schamrot aufzumachen und nach Kräften und Taten zu ringen, das begreif' ich
nicht. Im gemalten, gedichteten Rom, darin mag die Musse schwelgen; aber im
wahren, wo dich die Obelisken, das Koliseo, das Kapitolium, die Triumphbogen
unaufhörlich ansehen und tadeln, wo die Geschichte der alten Taten den ganzen
Tag wie ein unsichtbarer Sturmwind durch die Stadt fortrauschet und dich drängt
und hebt, o wer kann sich unwürdig und zusehend hinlegen vor die herrliche
Bewegung der Welt? - Die Geister der Heiligen, der Helden, der Künstler gehen
dem lebendigen Menschen nach und fragen zornig: was bist du? - Ganz anders gehst
du aus dem Vatikan des Raffaels und über das Kapitolium herunter, als du aus
irgendeiner deutschen Bildergalerie und einem Antikenkabinett heraustrittst.
Dort siehst du auf allen Hügeln alte ewige Herrlichkeit, jede Römerin ist mit
Gestalt und Stolz noch ihrer Stadt verwandt, der Transteveriner ist der Sparter,
und du findest so wenig einen Römer als einen Juden stumpf; indes du in Pestitz
fast unduldsam werden musst schon gegen den Kontrast der bloßen Gestalt. Sogar
der ruhige Dian behauptet, die hässlichen Masken der Alten sähen wie die
deutschen Gassen-Gesichter und ihre Faunen und andere Tiergötter wie edlere
Hof-Gesichter aus; ihre Kopierbilder Alexanders, der Philosophen, der römischen
Tyrannen wären, so scharf und prosaisch sie sich auch von ihren poetischen
Statuen der Götter abschnitten, den jetzigen Idealen der Maler gleich.
    Tut es da genug, mit Augen voll Bewunderung und gefalteten Händen um die
Riesen zu schleichen und dann welk und klein zu ihren Füßen zu verschmachten?
Freund, wie oft pries ich in den Tagen des Unmuts die Künstler und Dichter
glücklich, die ihre Sehnsucht doch stillen dürfen durch frohe leichte
Schöpfungen, und welche durch schöne Spiele die großen Toten feiern, Archimimen
der Heldenzeit. - Und doch sind diese schwelgerischen Spiele nur das
Glockenspiel am Blitzableiter; es gibt etwas Höheres, Tun ist Leben, darin regt
sich der ganze Mensch und blüht mit allen Zweigen. - Es ist nicht von den bangen
engen Kleintaten auf der Ruder- und auf der Ruhebank der Zeit die Rede. Noch
steht an der Krönungsstadt des Geistes ein Tor offen, das Opfertor, das
Janustor. Wo ist denn weiter auf der Erde die Stelle als auf dem Schlachtfeld,
wo alle Kräfte, alle Opfer und Tugenden eines ganzen Lebens, in eine Stunde
gedrängt, in göttlicher Freiheit zusammenspielen mit tausend Schwester-Kräften
und Opfern? Wo sind denn allen Kräften, von dem schnellsten Scharfblick an
