 gerade den
väterlichen Hof bewohne und schmücke und mithin als Zeichner gewisse Sünden
recht glücklicherweise näher und heller vor dem Auge zum Beschauen habe, wovon
mir wenigstens der Egoismus, die Libertinage und das Müssiggehen gewiss bleiben
und sitzen; denn diese Schwämme und Moose säete das Schicksal so weit, als es
konnte, in die höheren Stände hinauf, weil sie in den niederen und breitern zu
sehr ausgegriffen und sie ausgesogen hätten - welches das Muster derselben
Vorsicht gewesen Zu sein scheint, aus der die Schiffe den Teufelsdreck, den sie
aus Persien holen, stets oben an den Mastbaum hängen, damit sein Gestank nicht
die Fracht des Schiffraums besudle. - - Ferner hab' ich hier oben am Hofe jede
neue Mode zur Beobachtung und Verachtung schon um mich, eh' sie drunten nur
gelästert, geschweige gepriesen worden. Z.B. die schöne Pariser Mode, dass die
Weiber durch einen kleinen Faltenwurf ihre Waden vorzeigen - welches sie in
Paris tun, um sehen zu lassen, dass sie nicht unter die Herren gehören, die
bekanntlich auf Steckenbeinen gehen -, diese wird (denn auf eine einzige Dame
kommt es an) morgen oder übermorgen gewisslich eingeführt. Doch ahmen die
Flachsenfingerinnen diese Mode aus dem ganz andern Grunde nach - denn uns Herren
fehlt nichts -, weil sie zu beweisen wünschen, dass sie Menschen und keine Affen
(geschweige weniger) sind, da nach Kamper und andern nur der Mensch allein Waden
anhat. - Derselbe Beweis wurde vor einem Jahrzehend, nur mit höheren Gründen
geführt. Denn da nach Haller sich der Mensch in nichts von einem Affen trennt
als durch den Besitz eines Steisses: so suchten damals die weiblichen
Kronbeamten, die Putzjungfern, an ihren Gebieterinnen diesen
Geschlechtscharakter, der sie unterscheidet, durch Kunst - durch den sogenannten
cul de Paris - so sehr als möglich zu vergrößern, und bei einer solchen
Penultima der Ultima war es damals schon auf 200 Schritte weit ein Spaß und ein
Spiel, eine Weltdame von ihrer Äffin abzutrennen, welches jetzt viele, die ihren
Buffon auswendig können, in keiner größeren Nähe sich getrauen wollen als in
einer zu großen. -
    Ähnliche biographische Denunzianten und Familiaren unterhalt' ich in mehreren
deutschen Städten - mein Herr Vater bezahlts -, in den meisten einen, aber in
Leipzig zwei, in Dresden drei, in Berlin sechse, in Wien ebensoviel in jedem
Stadtviertel. Maschinen solcher Art, die den Perspektiven so sehr gleichen,
womit man aus seinem Bette alles beschauen kann, was unten auf der Gasse
vorfällt, machen es freilich einem Autor leicht, hinter seinem Dintenfasse in
dunkle verbauete Haushaltungen - in einer 20 Meilen entfernten Winkelgasse
geführt - hell hinunterzusehen. Daher kann mir jede Woche der närrische Fall
begegnen, dass ein gesetzter stiller Mann, den
