
 Was schlägt des Kühnen Hoffnung nieder?
 Reicht sie dem Waller nicht Hand?
Drei Bewaffnete verlangten, ins Schloss gelassen zu werden. - Rinaldo gab Befehl,
sie einzulassen. Sie wurden in ein Zimmer geführt, in welchem sich Rinaldo
allein befand. - Sie traten ein.
    »Was« - fragte Rinaldo -, »führt die Herren zu uns?«
    »Vielleicht« - antwortete der eine der Bewaffneten, - »ist leichter
gefunden, als wir es glaubten, was wir suchen.«
    »Wieso?«
    »Wir suchen einen Franziskaner -«
    »So?«
    »Der wenigstens wie ein Franziskaner aussieht und dem dieser Ring gehört.«
    »Wer sucht den Gesuchten?«
    »Der, dem der Franziskaner diesen Ring geschickt hat. Cintio nennt sich der
Suchende. - Und der, den wir suchen - Herr Pater! Cintio hat keine Dummköpfe
abgesandt. Wir gelten etwas bei ihm, und zwei von uns - Nun? Herr Pater! wollt
Ihr denn Euren Lodovico nicht mehr kennen?«
    Rinaldo trat rasch auf ihn zu, nahm ihn bei der Hand und sagte:
    »Willkommen, Lodovico!«
    »O!« - schrie dieser; - »Wär' doch unser Cintio hier!«
    Es wurde von den Dienern Wein aufgetragen.
    »Hier ist Wein!« jauchzte Lodovico. - »Noch zwei Dinge, und ich erkenne
meinen Hauptmann ganz wieder: Ein Mädchen und eine Guitarre.«
    »Auch diese sind im Schloss zu haben«, lächelte Rinaldo.
    Sie sprachen viel zusammen, und nach geleerten Flaschen zog Lodovico mit
seinen Gesellen ab. Sie nahmen Rinaldos Begehren an Cintio schriftlich mit.
    Gegen Abend kam Lodovico zurück, gab ein Paket an Rinaldo ab. Den folgenden
Morgen trat dieser nicht mehr als Franziskaner, sondern so elegant, als einer
der elegantesten Männer Siziliens gekleidet, in seiner wahren Gestalt, mit
ungefärbtem Gesicht, ins gewöhnliche Gesellschaftszimmer.
Leonore sprang verwunderungsvoll vom Stuhle auf. Seufzend und errötend schlug
Laura die Augen nieder.
    LEONORE Was ist das? - Herr Pater, welche Verwandlung?
    RINALDO Die Kutte hatte mich verwandelt. Jetzt, schönes Fräulein, sieht mich
Euer holdes Augenpaar so, wie ich wirklich bin.
    LEONORE Schwester! Was ist vorgegangen?
    RINALDO Die schöne Leonore wünschte gestern sich, den kühnen Rinaldini zu
ihren Füßen zu sehen. Ihr Wunsch ist erfüllt. Er liegt hier vor ihr und küsst
ihre sanfte Hand!.
    LEONORE Rinaldini?
    LAURA Ja, Schwester! Er selbst.
    LEONORE Ewiger Himmel! - Was soll ich sagen? - Wie kommt sie einem Traume so
nahe, diese Wirklichkeit! - Rinaldini hier? Der Totgeglaubte lebend und zu
meinen Füßen? - Steht auf! steht aufl Das Schrecken soll nicht
