, oder fühlst du Verlangen und Mut genug, wieder
in die Welt zu gehen? - Nur etwas Trotz weniger, und du wirst unter den Menschen
dich ganz wohl befinden. Trotz schickt sich nicht in die menschliche
Gesellschaft; die Menschen ertragen ihn nicht. Entweder man erwidert deinen
Trotz, - dabei gewinnst du nichts, - oder man flieht dich; - und dabei gewinnst
du noch weit weniger. Ich kenne Welt und Menschen. Höre mich an, aus mir spricht
die Erfahrung. Ich will dir ein Geheimnis anvertrauen, und dadurch entdecke ich
dir das Geheimnis aller klugen Menschen, die in der Welt bedeutend worden sind
und es noch werden. Nenne das, was ich dir sage, Philosophie des Lebens, und
handle nach dem, was du von mir hörst. - - Die Pflichten der menschlichen
Gesellschaft sind nur ein unaufhörlich fortgesetzter Tauschhandel. Lass dich auf
nichts ein, ohne zu erwarten, dass es dir Vorteil bringe. Deinen Verstand, deine
Einsichten, deinen Diensteifer und deine Gefälligkeiten, alles lege im Handel
an. Tue deinen Nebenmenschen keinen Schaden, achte sie, wenn du musst; diene
ihnen, wenn du kannst; lass ihnen ihre Ansprüche und entschuldige ihre
Schwachheiten. Sie sind nicht undankbar. Deine Auslage wird dir immer mit
beträchtlichen Zinsen wieder erstattet werden.« - »Unter diesen Menschen aber«,
- fiel Rinaldo ein, - »werden auch Freunde sein, und die Freundschaft fordert
doch wohl« - »Die Freundschaft«, - fiel ihm der Alte schnell in die Rede -
»betrachte stets als das schönste und als das gefährlichste Geschenk des
Himmels. Ihre Guteit ist entzückend, ihre Unbeständigkeit ist entsetzlich. Und
wie willst du, dass ein Weiser der Gefahr eines Verlustes sich aussetze, dessen
Bitterkeit sein ganzes übriges Leben vergiften kann? - Trifft deinen Freund ein
Unfall, und du hast keine Hilfsmittel dafür, so erspare dir den Schmerz, ihn
leiden zu sehen.«
    Rinaldo sah ihn mit bedeutenden Blicken an und sagte:
    »Du hast nicht gehandelt, wie du sprichst; wenigstens gegen mich nicht!«
    »Du bist mir mehr als Freund.«
    »Mehr? - Mehr als Freund? - Ich dir? - Und was? - Was bin ich dir?«
    Onorio sah den Alten bedenklich an; dieser schwieg. - Rinaldo wiederholte
die Frage:
    »Was bin ich dir?«
    »Ich liebe dich«, - antwortete der Alte, - »wie ein Vater seinen Sohn liebt.
So will es mein Herz, so will es die allgewaltige Sympatie, die zwischen
Menschen waltet.«
    Nach einer starken Pause fragte Rinaldo: »Warst du, seit wir uns nicht
sahen, wieder in Sizilien?«
    Zufrieden lächelnd
