 gegen alles Böse, wenn es auch in uns oder im Geliebten wäre,
kämpft, überall finden, wo die edle Kraft in großen Massen wirkt und Welten
bildet oder beherrscht.
    Jetzt sind andre Zeiten, aber das Ideal dieser Freundschaft wird in mir
sein, so lange wie ich selbst sein werde.
    Die andre Freundschaft ist ganz innerlich. Eine wunderbare Symmetrie des
Eigentümlichsten, als wenn es vorher bestimmt wäre, dass man sich überall
ergänzen sollte. Alle Gedanken und Gefühle werden gesellig durch die
gegenseitige Anregung und Ausbildung des Heiligsten. Und diese reingeistige
Liebe, diese schöne Mystik des Umgangs schwebt nicht bloß als fernes Ziel vor
einem vielleicht vergeblichen Streben. Nein, sie ist nur vollendet zu finden.
Auch hat da keine Täuschung statt, wie bei jener andern heroischen. Ob die
Tugend eines Mannes Stich hält, muss die Tat lehren. Aber wer selbst in seinem
Innern die Menschheit und die Welt fühlt und sieht, der wird nicht leicht
allgemeinen Sinn und allgemeinen Geist da suchen können wo er nicht ist.
    Zu dieser Freundschaft ist nur fähig, wer in sich ganz ruhig wurde und in
Demut die Göttlichkeit des andern zu ehren weiß.
    Haben die Götter einem Menschen eine solche Freundschaft geschenkt, so kann
er weiter nichts, als sie mit Sorge vor allem was äußerlich ist bewahren und das
heilige Wesen schonen. Denn vergänglich ist die zarte Blüte.
 
                               Sehnsucht und Ruhe
Leicht bekleidet standen Lucinde und Julius am Fenster im Pavillon, erfrischten
sich an der kühlen Morgenluft und waren verloren im Anschaun der aufsteigenden
Sonne, die von allen Vögeln mit munterem Gesang begrüßt ward.
    Julius, fragte Lucinde, warum fühle ich in so heiterer Ruhe die tiefe
Sehnsucht? - Nur in der Sehnsucht finden wir die Ruhe, antwortete Julius. Ja die
Ruhe ist nur das, wenn unser Geist durch nichts gestört wird, sich zu sehnen und
zu suchen, wo er nichts Höheres finden kann als die eigne Sehnsucht.
    Nur in der Ruhe der Nacht, sagte Lucinde, glüht und glänzt die Sehnsucht und
die Liebe hell und voll wie diese herrliche Sonne. - Und am Tage, erwiderte
Julius, schimmert das Glück der Liebe blass, so wie der Mond nur sparsam
leuchtet. - Oder es erscheint und schwindet plötzlich ins allgemeine Dunkel,
fügte Lucinde an, wie jene Blitze, die uns das Gemach erhellten, da der Mond
verhüllt war.
    Nur in der Nacht singt Klagen, sprach Julius, die kleine Nachtigall und
tiefe Seufzer. Nur in der Nacht eröffnet sich die Blume schüchtern und atmet
frei den schönsten Duft, um Geist und Sinne in gleicher Wonne zu berauschen. Nur
in der Nacht, Lucinde, strömet tiefe Liebesglut und kühne Rede göttlich von den
Lippen, die im Geräusch der Tage ihr süßes Heiligtum
