, dann würde sich's von selbst beantworten und
ausgleichen. Ist es aber nicht mehr wenn ich bei jeder Veranlassung es immer
wieder als Entweihung fühlen muss, dass ich Dir alles von Eduard wie es vorfiel,
mitteilte? Getan hast Du freilich nichts gegen ihn, auch nicht laut gesagt: aber
ich weiß und sehe recht gut wie Du denkst. Und wenn ich es nicht wüsste und sähe,
was wäre denn die unsichtbare Gemeinschaft unsrer Geister und die schöne Magie
dieser Gemeinschaft? - Es kann Dir gewiss nicht einfallen, Dich hier noch länger
zurückziehen und durch bloße Feinheit das Missverständnis in Nichts auflösen zu
wollen: denn sonst hätte auch ich wirklich nichts weiter zu sagen.
    Unstreitig seid ihr durch eine ewige Kluft geschieden. Die ruhige klare
Tiefe Deines Wesens, und der heiße Kampf seines rastlosen Lebens liegen an den
entgegengesetzten Enden des menschlichen Daseins. Er ist ganz Handlung, Du bist
eine fühlende und beschauende Natur. Darum solltest Du eben Sinn für alles haben
und hast ihn auch, wo Du Dich nicht selbst absichtlich verschliessest. Und das
verdrüsst mich eigentlich. Möchtest Du den Herrlichen lieber hassen als
verkennen! - Aber wohin soll es führen, wenn man sich unnatürlich gewöhnt, das
wenige Große und Schöne was noch etwa da ist, so gemein zu nehmen, als es der
Scharfsinn nur immer nehmen kann, ohne die Ansprüche auf den Sinn aufzugeben? -
Was man überall sehen will, muss man endlich selbst werden.
    Ist das die gerühmte Vielseitigkeit? - Freilich beobachtest du dabei den
Grundsatz der Gleichheit, und einem geht's nicht viel besser wie dem andern; nur
dass jeder auf eine eigne Art verkannt wird. Hast Du nicht auch mein Gefühl
gezwungen über das was ihm das Heiligste ist ewig zu schweigen gegen Dich wie
gegen jeden andern? Und das darum, weil Du Dein Urteil nicht schweigen lassen
konntest bis es Zeit war, und weil Dein Verstand überall Grenzen erdichtet, ehe
er seine eigenen finden kann. Du hast mich beinah in den Fall gebracht, Dir
auseinandersetzen zu müssen, wie groß eigentlich mein Wert sei, wie viel
richtiger und sichrer Du gegangen sein würdest, wenn Du dann und wann nicht
geurteilt sondern geglaubt, wenn Du hie und da in mir ein unbekanntes
Unendliches vorausgesetzt hättest.
    Freilich ist meine eigne Nachlässigkeit an allem schuld. Vielleicht war's
auch Eigensinn, dass ich die ganze Gegenwart mit Dir teilen wollte, und Dich über
Vergangenheit und Zukunft doch nicht belehrte. Ich weiß nicht, es widerstand
meinem Gefühl, auch hielt ich's für überflüssig, denn ich traute Dir in der Tat
unendlich viel Verstand zu.
    O Antonio, wenn ich an ewigen Wahrheiten zweifeln könnte, so hättest Du mich
dahin gebracht, jene stille schöne
