 wollte eben den Staub der Reise von mir
schütteln, als ich wieder ins Leben gerufen ward durch das Verheissen und die
Gewissheit Deiner Genesung.
    Nun ward ich meines wachen Traumes inne, erschrack über alle die bedeutenden
Beziehungen und Ähnlichkeiten und stand ängstlich an dem unsichtbaren Abgrund
dieser innern Wahrheit.
    Weißt Du was mir am meisten klar dadurch geworden ist? - Zuerst, dass ich
Dich vergöttre, und dass es gut ist, dass ich so tue. Wir beide sind eins und nur
dadurch wird der Mensch zu einem und ganz er selbst wenn er sich auch als
Mittelpunkt des Ganzen und Geist der Welt anschaut und dichtet. Doch warum
dichtet, da wir den Keim zu allem in uns finden und doch ewig nur ein Stück von
uns selbst bleiben?
    Und dann weiß ich's nun, dass der Tod sich auch schön und süß fühlen lässt.
Ich begreife, wie das freie Gebildete sich in der Blüte aller Kräfte nach seiner
Auflösung und Freiheit mit stiller Liebe sehnen und den Gedanken der Rückkehr
freudig anschauen kann wie eine Morgensonne der Hoffnung.
 
                                 Eine Reflexion
Es ist meinem Gemüt nicht selten sonderbar aufgefallen, wie verständige und
würdige Menschen mit nie ermüdender Industrie und mit so großem Ernst das kleine
Spiel in ewigem Kreislauf immer von neuem wiederholen können, welches doch
offenbar weder Nutzen bringt noch sich einem Ziele nähert, obgleich es das
früheste aller Spiele sein mag.
    Dann fragte mein Geist, was wohl die Natur, die überall so viel denkt, die
List im Großen treibt und statt witzig zu reden, gleich witzig handelt, bei
jenen naiven Andeutungen denken mag, welche gebildete Redner nur durch ihre
Namenlosigkeit benennen.
    Und diese Namenlosigkeit selbst ist von zweideutiger Bedeutung. Je
verschämter und je moderner man ist, je mehr wird es Mode sie aufs Schamlose zu
deuten. Für die alten Götter hingegen hat alles Leben eine gewisse klassische
Würde und so auch die unverschämte Heldenkunst lebendig zu machen. Die Menge
solcher Werke und die Größe der Erfindungskraft in ihr bestimmt Rang und Adel im
Reiche der Mythologie.
    Diese Zahl und diese Kraft sind gut, aber sie sind nicht das Höchste. Wo
schlummert also das ersehnte Ideal verborgen? Oder findet das strebende Herz in
der höchsten aller darstellenden Künste ewig nur andre Manieren und nie einen
vollendeten Styl?
    Das Denken hat die Eigenheit, dass es nächst sich selbst am liebsten über das
denkt, worüber es ohne Ende denken kann. Darum ist das Leben des gebildeten und
sinnigen Menschen ein stetes Bilden und Sinnen über das schöne Rätsel seiner
Bestimmung. Er bestimmt sie immer neu, denn eben das ist seine ganze Bestimmung,
bestimmt zu werden und zu bestimmen. Nur in seinem Suchen selbst findet der
Geist des Menschen das Geheimnis welches er sucht.
    Was ist denn aber das
