
abzusenden. Dafür erhälst du nun desto mehr Verwirrung und Freude.
Die Menschen sind wirklich sehr gut mit mir. Sie verzeihn es mir nicht nur, dass
ich so oft keinen Teil nehme und dann mit einemmale ihr Gespräch auf eine
sonderbare Art unterbreche: sie scheinen sich sogar in der Stille an meiner
Freude herzlich zu freuen. Besonders Juliane. Ich sage ihr nur weniges von dir,
aber sie hat viel Sinn dafür und errät das übrige. Es gibt doch nichts
Liebenswürdigeres als das reine uneigennützige Wohlgefallen an der Liebe!
    Ich glaube freilich, ich würde jetzt meine Freunde hier lieben, wenn sie
auch weniger vortreffliche Menschen wären. Ich fühle eine große Veränderung in
meinem Wesen: eine allgemeine Weichheit und süße Wärme in allen Vermögen der
Seele und des Geistes, wie die schöne Ermattung der Sinne die auf das höchste
Leben folgt.
    Und doch ist's nichts weniger als Weichlichkeit. Vielmehr weiß ich, dass ich
alles was meines Berufs ist, von nun an mit größerer Liebe und frischer Kraft
treiben werde. Ich fühlte nie mehr Zuversicht und Mut, als Mann unter Männern zu
wirken, ein heldenmässiges Leben zu beginnen und auszuführen und mit Freunden
verbrüdert für die Ewigkeit zu handeln.
    Das ist meine Tugend; so ziemt es mir, den Göttern ähnlich zu werden. Die
deinige ist es, gleich der Natur als Priesterin der Freude das Geheimnis der
Liebe leise zu offenbaren und in der Mitte würdiger Söhne und Töchter das schöne
Leben zu einem heiligen Fest zu weihen.
Ich mache mir oft Sorge über deine Gesundheit. Du kleidest dich gar zu leicht
und liebst die Abendluft! Das sind gefährliche Gewohnheiten, die du wie manche
andre ablegen musst.
    Denke, dass eine neue Ordnung der Dinge für dich beginnt. Bisher hieß ich
deinen Leichtsinn schön, weil er an der Zeit war und zum Ganzen stimmte. Ich
fand es weiblich, wenn du mit dem Glück scherzen, und alle Rücksichten zerreißen
und ganze Massen deines Lebens oder deiner Umgebung vernichten konntest.
    Nun ist aber etwas da, worauf du immer Rücksicht nehmen, worauf du alles
beziehen wirst. Nun musst du dich allmählich zur Ökonomie bilden, versteht sich
im allegorischen Sinn.
In diesem Brief geht alles recht bunt durcheinander, wie im menschlichen Leben
Gebet und Essen, Schelmerei und Entzücken. Nun gute Nacht. - Ach warum kann ich
nicht wenigstens im Traume bei dir sein, wirklich mit dir und in dir träumen!
Denn wenn ich bloß von dir träume, ist's doch immer nur allein. - Du willst
wissen, warum du nicht von mir träumst, da du doch so viel an mich denkst?
Liebe! schweigst du nicht auch oft lange über mich?
Amaliens Brief hat mir große Freude gemacht. Freilich seh
