 eine große Ehe dieser beiden Stände, und
allgemeine Brüderschaft aller einzelnen. Statt dessen sehen wir nur eine Unzahl
von Rohheit, und als unbedeutende Ausnahme einige die durch Missbildung verkehrt
sind! Aber in der freien Luft kann doch das einzelne, was schön und gut ist,
nicht so erdrückt werden durch die schlechte Masse und durch den Schein ihrer
Allmacht.
    Weißt du, welche Zeit unsrer Liebe mir besonders schön glänzt? - Zwar ist
mir alles schön und rein in der Erinnerung, und auch an die ersten Tage denke
ich mit wehmütigem Entzücken. Aber das Werteste unter allem Werten sind mir doch
die letzten Tage, die wir zusammen auf dem Gute lebten. - Ein neuer Grund, um
wieder auf dem Lande zu wohnen!
    Noch eins. Lass mir die Weinreben nicht zu sehr beschneiden. Ich schreibe
dies nur, weil du sie gar zu wild und üppig fandest, und weil es dir einfallen
möchte, das kleine Haus von allen Seiten durchaus sauber vor dir zu sehen. Auch
der grüne Rasenplatz muss bleiben wie er ist. Darauf soll das Kleine sein Wesen
treiben, kriechen, spielen und sich wälzen.
    Nicht wahr, der Schmerz, den dir mein trauriger Brief erregt hat, ist völlig
vergütet? Ich kann mich in allen diesen Herrlichkeiten und im Taumel der
Hoffnung nicht länger mit Sorge quälen. Mehr Schmerz als ich hast du nicht dabei
empfunden. Aber was liegt daran, wenn du mich liebst, wirklich liebst, so recht
im Innersten, ohne einen Hinterhalt von Fremdem. Welcher Schmerz wäre der Rede
wert, wenn wir damit ein tieferes, heisseres Bewusstsein unsrer Liebe gewinnen?
Auch du bist so gesinnt. Alles was ich dir da sage, wusstest du lange. Überhaupt
ist kein Entzücken und keine Liebe in mir, die nicht schon in irgend einer Tiefe
deines Wesens verborgen läge, du Unendliche und Glückliche!
    Missverständnisse sind auch gut, damit das Heiligste einmal zur Sprache
kommt. Das Fremde, was dann und wann zwischen uns zu sein scheint, ist nicht in
uns, in keinem von uns. Es ist nur zwischen uns und auf der Oberfläche, und ich
hoffe bei dieser Gelegenheit wirst du es ganz von dir und aus dir wegtreiben.
    Und woher entstehen solche kleine Abstossungen als aus der gegenseitigen
Unersättlichkeit im Lieben und Geliebtwerden? Ohne diese Unersättlichkeit gibt's
keine Liebe. Wir leben und lieben bis zur Vernichtung. Und wenn die Liebe es
ist, die uns erst zu wahren vollständigen Menschen macht, das Leben des Leben
ist, so darf auch sie wohl die Widersprüche nicht scheuen, so wenig wie das
Leben und die Menschheit; so wird auch ihr Frieden nur auf den Streit der Kräfte
folgen.
    Ich fühle mich glücklich, dass ich eine Frau liebe
