 und die feurigen Augen. Mit ewigem Entzücken fühlte er das göttliche
Haupt der hohen Gestalt auf seine Schulter sinken, die schwarzen Locken flossen
über den Schnee des vollen Busens und des schönen Rückens, leise sagte er
herrliche Frau! als die fatale Gesellschaft unerwartet hereintrat.
    Nun hatte sie ihm nach seinen Begriffen eigentlich schon alles gewährt; es
war ihm nicht möglich zu künsteln an einem Verhältnis, das er sich so rein und
groß dachte, und doch war ihm jede Zögerung unerträglich. Von einer Gottheit,
dachte er, begehrt man nicht erst das, was man nur als Übergang und Mittel
denkt, sondern man bekennt sogleich mit Offenheit und Zuversicht das Ziel aller
Wünsche. So bat auch er sie mit der unschuldigsten Unbefangenheit um alles, was
man eine Geliebte bitten kann, und stellte ihr in einem Strome von Beredsamkeit
dar, wie seine Leidenschaftlichkeit ihn zerstören würde, wenn sie zu weiblich
sein wollte. Sie war nicht wenig überrascht, aber sie ahndete wohl, dass er nach
der Hingebung liebender und treuer sein würde wie vorher. Sie konnte keinen
Entschluss fassen, und überließ es nur den Umständen, die es so fügten, wie es
gut war. Sie waren nur wenige Tage allein, als sie sich ihm auf ewig ergab und
ihm die Tiefe ihrer großen Seele öffnete, und alle Kraft, Natur und Heiligkeit,
die in ihr war. Auch sie lebte lange in gewaltsamer Verschlossenheit, und nun
brachen zwischen den Umarmungen in Strömen der Rede das zurückgedrängte Zutrauen
und die Mitteilung mit einemmale hervor aus dem innersten Gemüt. In einer Nacht
wechselten sie mehr als einmal heftig zu weinen und laut zu lachen. Sie waren
ganz hingegeben und eins und doch war jeder ganz er selbst, mehr als sie es noch
je gewesen waren, und jede Äußerung war voll vom tiefsten Gefühl und eigensten
Wesen. Bald ergriff sie eine unendliche Begeisterung, bald tändelten und
scherzten sie mutwillig und Amor war hier wirklich, was er so selten ist, ein
fröhliches Kind.
    Durch das, was seine Freundin ihm offenbart hatte, ward es dem Jünglinge
klar, dass nur ein Weib recht unglücklich sein kann und recht glücklich, und dass
die Frauen allein, die mitten im Schoss der menschlichen Gesellschaft
Naturmenschen geblieben sind, den kindlichen Sinn haben, mit dem man die Gunst
und Gabe der Götter annehmen muss. Er lernte das schöne Glück ehren, was er
gefunden hatte, und wenn er es mit dem hässlichen unechten Glück verglich, was er
ehedem vom Eigensinn des Zufalls künstlich erzwingen wollte, so erschien es ihm
wie eine natürliche Rose am lebendigen Stamm gegen eine nachgemachte. Aber weder
im Taumel der Nächte noch in der Freude der Tage wollte er es Liebe nennen. So
sehr hatte er sich beredet, dass diese
