 dieser Strom von Gefühl zurückfloss in das innere Meer
allgemeiner Begeisterung. Selbst die Gebieterin des Herzens trat in ein heiliges
Dunkel zurück, und würde ihm fern geblieben sein, wenn er sie wiedergesehn
hätte.
    Das einzige was ihn milder und wärmer stimmte, war der Umgang mit einer
anderen Frau, die er als Schwester ehrte und liebte, und die er auch ganz so
betrachtete. Er stand schon länger in bürgerlichen Verhältnissen mit ihr, sie
war kränklich und etwas älter wie er; dabei aber von hellem reifem Verstand, von
gradem gesundem Sinn, und selbst im Auge der Fremden bis zur Liebenswürdigkeit
rechtlich. Alles was sie unternahm, atmete den Geist freundlicher Ordnung, und
wie von selbst entwickelte sich die gegenwärtige Tätigkeit allmählich aus der
vorigen und bezog sich still auf die künftige. In dieser Anschauung begriff es
Julius klar, dass es keine andre Tugend gebe als Konsequenz. Aber es war nicht
die kalte steife Übereinstimmung berechneter Grundsätze oder Vorurteile, sondern
die beharrliche Treue eines mütterlichen Herzens, das den Kreis seiner
Wirksamkeit und seiner Liebe mit bescheidner Kraft erweitert und in sich selbst
vollendet, und die rohen Dinge der umgebenden Welt zu einem freundlichen
Eigentum und Werkzeug des geselligen Lebens bildet. dabei war ihr jede
Beschränktheit häuslicher Frauen fremd, und mit tiefer Schonung und gefühlter
Milde sprach sie über die herrschenden Meinungen der Menschen, und über die
Ausnahmen und Ausschweifungen derer, die gegen den Strom leben: denn ihr
Verstand war so unbestechlich als ihr Gefühl rein und unverfälscht. Sie sprach
überhaupt gern, vorzüglich über sittliche Gegenstände, wo sie den Streit oft ins
Allgemeine spielte und auch wohl an Spitzfindigkeiten Gefallen hatte, wenn sie
etwas zu enthalten schienen und sinnreich klangen. Sie war nicht sparsam mit
Worten und ihr Gespräch ward durch keine ängstliche Ordnung gelenkt. Es war eine
reizende Verwirrung von einzelnen Einfällen und allgemeiner Teilnahme, von
fortgesetzter Aufmerksamkeit und plötzlicher Zerstreuung.
    Die Natur belohnte endlich die mütterliche Tugend der vortrefflichen Frau
und es keimte, da sie es kaum hoffte, ein neues Leben unter ihrem treuen Herzen.
Das erfüllte den Jüngling, der so sehr an ihr hing und an ihrem häuslichen
Glücke den wärmsten Anteil nahm, mit lebhafter Freude: aber es regte vieles in
ihm an, was lange geschwiegen hatte.
    Da nun einige seiner künstlerischen Versuche auch in seiner Brust ein neues
Zutrauen weckten, und ihn der erste Beifall großer Meister aufmunterte; da ihn
die Kunst an neue sehenswürdige Orte und unter fremde fröhliche Menschen führte:
so erweichte sich sein Gefühl und floss mächtig, wie ein großer Strom, wenn das
Eis schmilzt und bricht, und die Wogen mit neuer Kraft sich durch die alte Bahn
reißen.
    Er war verwundert sich wieder ausgelassen und fröhlich in der Gesellschaft
der Menschen zu fühlen. Seine Denkart war männlich
