 Wert des Lebens und ahndete die Allmacht des
Willens. Er stand in Wahrheit auf frischem Grün einer kräftigen mütterlichen
Erde, und ein neuer Himmel wölbte sich unermesslich über ihm im blauen Äther. Er
erkannte in sich den hohen Beruf zur göttlichen Kunst, er schalt seine Trägheit,
dass er noch so weit zurück sei in der Bildung und zu weichlich gewesen war zu
jeder gewaltigen Anstrengung. Er ließ sich nicht in müßige Verzweiflung sinken,
sondern er folgte der weckenden Stimme jener heiligen Pflicht. Alle Mittel, die
ihm die Verschwendung noch gelassen hatte, spannte er nun an. Er zerriss alle
Bande von ehedem, und machte sich mit einem Streich ganz unabhängig. Seine Kraft
und seine Jugend weihte er der erhabenen künstlerischen Arbeit und Begeisterung.
Er vergaß sein Zeitalter und bildete sich nach den Helden der Vorwelt, deren
Ruinen er mit Anbetung liebte. Auch für ihn selbst gab es keine Gegenwart, denn
er lebte nur in der Zukunft und in der Hoffnung, dereinst ein ewiges Werk zu
vollenden zum Denkmal seiner Tugend und seiner Würde.
    So litt und lebte er viele Jahre, und wer ihn sah, hielt ihn für älter als
er war. Was er bildete, war groß gedacht und in altem Stil, aber der Ernst war
abschreckend, die Formen fielen ins Ungeheure, das Antike ward ihm zu einer
harten Manier, und seine Gemälde blieben bei aller Gründlichkeit und Einsicht
steif und steinern. Es war vieles zu loben, nur die Anmut fehlte; und darin
glich er seinen Werken. Sein Charakter war rein gebrannt im Leiden göttlicher
Liebe und glänzte in heller Kraft, aber er war spröde und starr wie echter
Stahl. Er war aus Kälte ruhig, und nur dann geriet er in Aufruhr, wenn ihn eine
hohe Wildnis der einsamen Natur mehr als gewöhnlich reizte, wenn er seiner
entfernten Freundin treuen Bericht gab von dem Kampf seiner Bildung und dem Ziel
aller Arbeit, oder wenn ihn die Begeisterung für die Kunst in Gegenwart andrer
überraschte, dass nach langem Schweigen einige geflügelte Worte aus seinem
innersten Gemüt brachen. Doch das geschah nur selten, denn er nahm so wenig
Anteil an den Menschen als an sich selbst. Über ihr Glück und ihr Beginnen
konnte er nur freundlich lächeln und er glaubte es ihnen aufs Wort, wenn er
bemerkte, wie sie ihn unliebend und unliebenswürdig fanden.
    Doch schien ihn eine edle Frau etwas zu bemerken und vorzuziehn. Ihr feiner
Geist und ihr zartes Gefühl zog ihn lebhaft an, da sie noch durch den Reiz einer
liebenswürdigen und dabei sonderbaren Gestalt und durch ein Auge voll stiller
Schwermut erhöht wurden. Aber so oft er herzlicher werden wollte, ergriff ihn
das alte Misstrauen und die gewohnte Kälte. Er sah sie häufig und konnte sich nie
äußern, bis auch
