 machen gesonnen war. Er hatte viele
Verbindungen, und war unersättlich immer neue zu knüpfen. Jeden Mann, der ihm
interessant erschien, suchte er, und ruhte nicht, bis er ihn gewonnen und die
Zurückhaltung des andern durch seine jugendliche Zudringlichkeit und Zuversicht
besiegt hatte. Es lässt sich denken, dass er, der sich eigentlich alles erlaubt
hielt und sich selbst über das Lächerliche wegsetzen konnte, eine andre
Schicklichkeit im Sinne und vor Augen hatte als die, welche allgemein gilt.
    In dem Gefühl und Umgang des einen Freundes fand er mehr als weibliche
Schonung und Zartheit bei erhabenem Verstande und fest gebildetem Charakter. Ein
zweiter brannte mit ihm in edlem Unwillen über das schlechte Zeitalter und
wollte etwas Großes wirken. Der liebenswürdige Geist des dritten war noch ein
Chaos von Andeutungen: aber er hatte zarten Sinn für alles und ahndete die Welt.
Den einen verehrte er als seinen Meister in der Kunst würdig zu leben. Den
andern dachte er als seinen Jünger und wollte sich nur vor der Hand zur
Teilnahme an seinen Ausschweifungen herablassen, um ihn ganz zu kennen und zu
gewinnen, und dann seine große Anlage zu retten, die so nah am Abgrunde wandelte
wie seine eigne.
    Es waren große Gegenstände, nach denen sie mit Ernst strebten. Indessen
blieb es bei hohen Worten und vortrefflichen Wünschen. Julius kam nicht weiter
und ward nicht klarer, er handelte nicht und er bildete nichts. Ja er
vernachlässigte seine Kunst fast nie mehr, als da er sich und seine Freunde mit
Projekten überströmte von allen Werken, die er vollbringen wollte, und die ihm
im Augenblick der ersten Begeisterung schon fertig schienen. Die wenigen
Anwandlungen von Nüchternheit, die ihm noch übrig blieben, erstickte er in
Musik, die für ihn ein gefährlicher, bodenloser Abgrund von Sehnsucht und Wehmut
war, in den er sich gern und willig versinken sah.
    Diese innere Gärung hätte heilsam sein können, und aus der Verzweiflung wäre
endlich Ruhe und Festigkeit hervorgegangen, und er wäre klar geworden über sich
selbst. Aber die Wut der Unbefriedigung zerstückte seine Erinnerung, er hatte
nie weniger eine Ansicht vom Ganzen seines Ich. Er lebte nur in der Gegenwart,
an der er mit durstigen Lippen hing, und vertiefte sich ohne Ende in jeden
unendlich kleinen und doch unergründlichen Teil der ungeheuren Zeit, als müsse
es nun in diesem endlich zu finden sein, was er schon so lange suche. Diese Wut
der Unbefriedigung musste ihn bald mit seinen Freunden selbst verstimmen und
entzweien, von denen die meisten bei den herrlichsten Anlagen ebenso untätig und
mit sich uneins waren wie er. Dieser schien ihn nicht zu verstehen, jener
bewunderte nur seinen Geist, äußerte aber Misstrauen gegen sein Herz und tat ihm
wirklich unrecht. Da hielt er seine innerste Ehre gekränkt
