 leichtes, munteres Wesen und ihm
schien sie artig zu reden. Aber was er an der Geliebten für göttlichen
Leichtsinn nahm, war nichts als ein gedankenloses Schwärmen ohne eigentliche
Freude und Fröhlichkeit, und auch ohne Geist, ausgenommen so viel Verstand und
Schlauigkeit, als es braucht, um alles absichtlich und zwecklos zu verwirren,
die Männer zu locken und zu lenken und sich selbst in Schmeicheleien zu
berauschen. Zu seinem Unglücke erhielt er einige Zeichen von Gunst; von der Art,
welche die Geberin nicht binden, weil sie sich nie dazu bekennen darf und welche
den gefangenen Neuling durch den Zauber der Heimlichkeit noch unauflöslicher
fesseln. Ihn konnte schon ein verstohlner Blick und Händedruck ganz bezaubern,
oder ein Wort, was vor allen gesagt in seiner eigentlichen Beziehung und
Anspielung nur ihm verständlich war, wenn die einfache und wohlfeile Gabe nur
durch den Schein einer eignen sonderbaren Bedeutsamkeit gewürzt wurde. Sie gab
ihm, wie er glaubte, ein noch deutlicheres Zeichen und es beleidigte ihn tief,
dass sie ihn so wenig verstehe, dass sie ihm so sehr zuvorkomme. Er war nicht
wenig stolz darauf, dass ihn das beleidigte und doch reizte es ihn
unwiderstehlich, wenn er dachte, er dürfe nur schnell sein und die günstige
Gelegenheit ergreifen, um ohne Hindernis ans Ziel zu gelangen. Er machte sich
schon bittere Vorwürfe über seine Langsamkeit, als er plötzlich Verdacht
schöpfte, ihr Zuvorkommen sei nur Täuschung, sie meine es auch mit ihm nicht
ehrlich; und da ein Freund ihn vollends aufklärte, konnte ihm kein Zweifel
bleiben. Er sah, dass man ihn lächerlich finde und musste sich gestehen, dass es
ganz in der Ordnung sei. Darüber geriet er etwas in Wut und hätte leicht Unheil
begonnen, wenn er diese leeren Menschen, ihre kleinen Verhältnisse und
Missverständnisse und das ganze Spiel geheimer Absichten und Rücksichten nicht
genau beobachtet und also gründlich verachtet hätte. Auch wurde er wieder
ungewiss und da sein Argwohn nun keine Grenzen mehr kannte, so war er gegen sein
eigenes Misstrauen misstrauisch. Bald sah er den Grund des Übels nur in seinem
Eigensinne und übertriebnem Zartgefühl und fasste dann neue Hoffnung und neues
Zutrauen; bald sah er in allem Unglück, was ihn in der Tat absichtlich zu
verfolgen schien, nur das künstliche Werk ihrer Rache. Alles schwankte, nur das
ward ihm immer klarer und fester, dass vollendete Narrheit und Dummheit im Großen
das eigentliche Vorrecht der Männer sei, mutwillige Bosheit hingegen mit naiver
Kälte und lachender Gefühllosigkeit eine angeborene Kunst der Frauen. Das war
alles, was er lernte durch sein angestrengtes Bestreben nach Menschenkenntnis.
Im einzelnen verfehlte er immer auf eine scharfsinnige Art das Rechte, weil er
überall künstliche Absichten voraussetzte und tiefen Zusammenhang, und gar
keinen Sinn hatte für das Unbedeutende. dabei wuchs
