 mit Abwechselung delikat zu
sein und viel von der Freundschaft zu reden.- Du hast schon vorhin so gesprochen
als hieltest du uns zur Freundschaft unfähig. Ist das wirklich deine Meinung? -
Ja! aber die Unfähigkeit, glaube ich, liegt mehr in der Freundschaft als in
euch. Ihr liebt alles was ihr liebt ganz, wie den Geliebten und das Kind. Diesen
Charakter würde selbst ein schwesterliches Verhältnis bei euch annehmen. - Darin
hast du recht. - Die Freundschaft ist für euch zu vielseitig und einseitig. Sie
muss ganz geistig sein und durchaus bestimmte Grenzen haben. Diese Absonderung
würde euer Wesen nur auf eine feinere Art eben so vollkommen zerstören wie bloße
Sinnlichkeit ohne Liebe. Für die Gesellschaft aber ist sie zu ernst, zu tief und
zu heilig. - Können denn Menschen nicht miteinander reden, ohne danach zu
fragen, ob sie Männer oder Frauen sind? - Das dürfte sehr enstaft ausfallen.
Aufs höchste möchte es einen interessanten Klub geben. Du verstehst was ich
meine. Es wäre schon viel, wenn man da frei und witzig reden dürfte, und weder
zu wild noch zu steif wäre. Das Feinste und das Beste würde immer fehlen, was
überall, wo sich ein bisschen gute Gesellschaft zeigt, Geist und Seele davon ist.
Und das ist der Scherz mit der Liebe und die Liebe zum Scherz, der ohne den Sinn
für jenen zum Spaß herabsinkt. Aus diesem Grunde nehme ich auch die
Zweideutigkeiten in Schutz. - Tust du das im Scherz oder zum Spaß? - Nein, nein!
ich tue es im vollen Ernst. - Aber doch nicht so ernstaft und so feierlich wie
Pauline und ihr Liebhaber? - Gott behüte! ich glaube, die ließ die Betglocken
anziehen, wenn sie sich umarmen, falls es nur schicklich wäre. O! es ist wahr,
meine Freundin, der Mensch ist von Natur eine ernsthafte Bestie. Man muss diesem
schändlichen und leidigen Hange aus allen Kräften und von allen Seiten
entgegenarbeiten. Dazu sind die Zweideutigkeiten auch gut, nur sind sie so
selten zweideutig, und wenn sie es nicht sind und nur einen Sinn zulassen, das
ist eben nicht unsittlich, aber zudringlich und platt. Leichtfertige Gespräche
müssen geistig und zierlich und bescheiden sein, so viel als möglich; übrigens
aber ruchlos genug. - Das ist gut, aber was sollen sie grade in der
Gesellschaft? - Sie sollen das Gespräch frisch erhalten, wie das Salz an den
Speisen. Es fragt sich gar nicht, warum man sie sagen soll, sondern nur wie man
sie sagen soll. Denn lassen kann und darf man's doch nicht. Es wäre ja grob mit
einem reizenden Mädchen so zu reden, als ob sie ein geschlechtsloses Amphibion
wäre.
