 Ihre kleine Erfahrung halten sie für
allgemein und alles andre für lächerlich; der enge Kreis von Rohheit und
Gemeinheit, in dem sie sich beständig drehen, ist für sie die ganze Welt, und es
fällt ihnen gar nicht ein, dass es auch noch andre Welten geben könne. Für diese
sind die Männer nicht Menschen, sondern bloß Männer, eine eigne Gattung, die
fatal aber doch gegen die Langeweile unentbehrlich ist. Sie selbst sind denn
auch eine bloße Sorte, eine wie die andre, ohne Originalität und ohne Liebe.
    Aber sind sie unheilbar weil sie ungeheilt sind? Mir ist es so einleuchtend
und klar, dass nichts unnatürlicher für eine Frau sei, als Prüderie (ein Laster
an das ich nie ohne eine gewisse innerliche Wut denken kann) und nichts
beschwerlicher als Unnatürlichkeit, dass ich keine Grenze bestimmen, und keine
für unheilbar halten möchte. Ich glaube ihre Unnatur kann nie zuverlässig
werden, wenn sie auch noch so viel Leichtigkeit und Unbefangenheit darin erlangt
haben, bis zu einem Schein von Konsequenz und Charakter. Es bleibt doch nur
Schein; das Feuer der Liebe ist durchaus unverlöschlich, und noch unter der
tiefsten Asche glühen Funken.
    Diese heilige Funken zu wecken, von der Asche der Vorurteile zu reinigen,
und wo die Flamme schon lauter brennt, sie mit bescheidenem Opfer zu nähren; das
wäre das höchste Ziel meines männlichen Ehrgeizes. Lass mich's bekennen, ich
liebe nicht dich allein, ich liebe die Weiblichkeit selbst. Ich liebe sie nicht
bloß, ich bete sie an, weil ich die Menschheit anbete, und weil die Blume der
Gipfel der Pflanze und ihrer natürlichen Schönheit und Bildung ist.
    Es ist die älteste kindlichste einfachste Religion, zu der ich zurückgekehrt
bin. Ich verehre als vorzüglichstes Sinnbild der Gottheit das Feuer; und wo
gibts ein schöneres, als das was die Natur tief in die weiche Brust der Frauen
verschloss? - Weihe du mich zum Priester, nicht um es müßig zu beschauen, sondern
um es zu befreien, zu wecken, und zu reinigen: wo es rein ist, erhält es sich
selber, ohne Wache und ohne Vestalinnen.
    Ich schreibe und schwärme, wie du siehst, nicht ohne Salbung; aber es
geschieht auch nicht ohne Beruf, und zwar göttlichen Beruf. Was darf sich der
nicht zutrauen, zu dem der Witz selbst durch eine Stimme vom geöffneten Himmel
herab sprach: »Du bist mein lieber Sohn an dem ich Wohlgefallen habe.« - Und
warum soll ich nicht aus eigener Vollmacht und Willkür von mir sagen: »Ich bin
des Witzes lieber Sohn;« wie mancher Edle, der auf Abenteuer durchs Leben
wanderte, von sich sagte: »Ich bin des Glückes lieber Sohn.« -
    Übrigens wollte
