 entbehren, weil jener
Zauber alles zu ersetzen vermag. Aber still von diesen Geheimnissen! Der dritte
und höchste Grad ist das bleibende Gefühl von harmonischer Wärme. Welcher
Jüngling das hat, der liebt nicht mehr bloß wie ein Mann, sondern zugleich auch
wie ein Weib. In ihm ist die Menschheit vollendet, und er hat den Gipfel des
Lebens erstiegen. Denn gewiss ist es, dass Männer von Natur bloß heiß oder kalt
sind: zur Wärme müssen sie erst gebildet werden. Aber die Frauen sind von Natur
sinnlich und geistig warm und haben Sinn für Wärme jeder Art.
    Wenn dieses tolle kleine Buch einmal gefunden, vielleicht gedruckt, und gar
gelesen wird, so muss es auf alle glücklichen Jünglinge ungefähr den gleichen
Eindruck machen. Nur verschieden nach den verschiedenen Stufen ihrer Ausbildung.
Denen vom ersten Grad wird es die Empfindung des Fleisches erregen; die vom
zweiten kann es ganz befriedigen; und denen vom dritten soll bloß warm dabei
werden.
    Ganz anders würde es mit den Frauen sein. Unter ihnen gibt es keine
Ungeweihten; denn jede hat die Liebe schon ganz in sich, von deren
unerschöpflichem Wesen wir Jünglinge nur immer ein wenig mehr lernen und
begreifen. Schon entfaltet, oder noch im Keime, das ist gleichviel. Auch das
Mädchen weiß in ihrer naiven Unwissenheit doch schon alles, noch ehe der Blitz
der Liebe in ihrem zarten Schoss gezündet, und die verschlossne Knospe zum vollen
Blumenkelch der Lust entfaltet hat. Und wenn eine Knospe Gefühl hätte, würde
nicht das Vorgefühl der Blume deutlicher in ihr sein, als das Bewusstsein ihrer
selbst? -
    Darum gibt es in der weiblichen Liebe keine Grade und Stufen der Bildung,
überhaupt nichts allgemeines; sondern so viel Individuen, so viel eigentümliche
Arten. Kein Linné kann uns alle diese schönen Gewächse und Pflanzen im großen
Garten des Lebens klassifizieren und verderben; und nur der eingeweihte Liebling
der Götter versteht ihre wunderbare Botanik; die göttliche Kunst, ihre
verhüllten Kräfte und Schönheiten zu erraten und zu erkennen, wann die Zeit
ihrer Blüte sei und welches Erdreich sie bedürfen. Da wo der Anfang der Welt
oder doch der Anfang der Menschen ist, da ist auch der eigentliche Mittelpunkt
der Originalität, und kein Weiser hat die Weiblichkeit ergründet.
    Eines zwar scheint die Frauen in zwei große Klassen zu teilen. Das nämlich,
ob sie die Sinne achten und ehren, die Natur, sich selbst und die Männlichkeit:
oder ob sie diese wahre innere Unschuld verloren haben, und jeden Genuss mit Reue
erkaufen, bis zur bitteren Gefühllosigkeit gegen innere Missbilligung. Das ist ja
die Geschichte so vieler. Erst scheuen sie die Männer, dann werden sie
Unwürdigen hingegeben, welche sie bald hassen oder betrügen, bis sie sich selbst
und die weibliche Bestimmung verachten.
