 der
reichen Erde, die bald von fröhlichen Gestalten wimmelte. Denn was ich nur im
Innersten wünschte, lebte und drängte sich gleich hier, ehe ich selbst den
Wunsch noch deutlich gedacht hatte. Und so sah ich denn bald bekannte und
unbekannte liebe Gestalten in wunderlichen Masken, wie ein großes Karneval der
Lust und Liebe. Innre Saturnalien, an seltsamer Mannichfaltigkeit und
Zügellosigkeit der großen Vorwelt nicht unwürdig. Aber nicht lange schwärmte das
geistige Bacchanal durch einander, so zerriss diese ganze innere Welt wie durch
einen elektrischen Schlag und ich vernahm ich weiß nicht wie und woher die
geflügelten Worte: »Vernichten und Schaffen, Eins und Alles; und so schwebe der
ewige Geist ewig auf dem ewigen Weltstrome der Zeit und des Lebens und nehme
jede kühnere Welle wahr, ehe sie zerfliesst.« - Furchtbar schön und sehr fremd
tönte diese Stimme der Fantasie, aber milder und mehr wie an mich gerichtet die
folgenden Worte: »Die Zeit ist da, das innere Wesen der Gottheit kann offenbart
und dargestellt werden, alle Mysterien dürfen sich enthüllen und die Furcht soll
aufhören. Weihe dich selbst ein und verkündige es, dass die Natur allein
ehrwürdig und die Gesundheit allein liebenswürdig ist.« - Bei den
geheimnisvollen Worten, die Zeit ist da, fiel wie eine Flocke von himmlischem
Feuer in meine Seele. Es brannte und zehrte in meinem Mark; es drängte und
stürmte sich zu äußern. Ich griff nach Waffen, um mich in das Kriegsgetümmel der
Leidenschaften, die mit Vorurteilen wie mit Waffen wüten, zu stürzen und für die
Liebe und die Wahrheit zu kämpfen: aber es waren keine Waffen da. Ich öffnete
den Mund, um sie in Gesang zu verkündigen, und ich dachte, alle Wesen müssten ihn
vernehmen und die ganze Welt sollte harmonisch wiederklingen: aber ich besann
mich, dass meine Lippen die Kunst nicht gelernt hätten, die Gesänge des Geistes
nachzubilden. - »Du musst das unsterbliche Feuer nicht rein und roh mitteilen
wollen,« sprach die bekannte Stimme meines freundlichen Begleiters. »Bilde,
erfinde, verwandle und erhalte die Welt und ihre ewigen Gestalten im steten
Wechsel neuer Trennungen und Vermählungen. Verhülle und binde den Geist im
Buchstaben. Der echte Buchstabe ist allmächtig und der eigentliche Zauberstab.
Er ist es, mit dem die unwiderstehliche Willkür der hohen Zauberin Fantasie das
erhabene Chaos der vollen Natur berührt, und das unendliche Wort ans Licht ruft,
welches ein Ebenbild und Spiegel des göttlichen Geistes ist, und welches die
Sterblichen Universum nennen.«
Wie die weibliche Kleidung vor der männlichen, so hat auch der weibliche Geist
vor dem männlichen den Vorzug, dass man sich da durch eine einzige kühne
Kombination über alle Vorurteile der Kultur und bürgerlichen Konventionen
wegsetzen und mit einemmale mitten im Stande der
